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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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Zur Ausführung solcher Stücke reichte freilich das kleine HauSorchcstcrnicht aus. Wenn dieses Stück überhaupt je aufgeführt wurde, so mag diesin einer jener Prodnctionen gewesen sein, welche unter Zuziehung fremderKräfte am Faschingsmontag oder -Dinstag und zu Ostern nach der Tafel imRefectorium stattfanden. Das Orchester war ans Mitgliedern der fürstlichPalffy'schen Hanscapelle in Baden gebildet, und hervorragende Künstler ansWien nahmen an den Aufführungen Thcil. Georg Hcllmcsberger, der dasKloster oft besuchte, brachte manchmal auch seinen Sohn Josef mit, nndzwischen den beiden, ungefähr im gleichen Alter stehenden Knaben entwickeltesich bald ein freundschaftliches Verhältnis;. Sic streiften zusammen häufig dieUmgegend ab, und trieben in solch' unbewachten Stunden vielen Schabcrnak.So kaufte Josef in einem benachbarten Dorfe um ein paar Kreuzer Schnupf-tabak, und nun begannen beide »ach Art der alte» Geistlichen tüchtig zuschnupfen, bis ihnen das Hören nnd Sehen verging. Bei einigen Scene» vonKreutzcr'sNachtlager von Granada", welche im Kloster aufgcführt wurden,sangen beide Knaben Solopartien (Herbeck die Gabriele.)') Auch ein Theil derSchöpfung" wurde bei einer solchen Gelegenheit execntirt, wobei Johanndie Sopran-Soli mit einer solch' tiefen Empfindung und technisch so vollendetvortrug, daß die Anwesenden - Gäste wie Vortragende entzückt waren.Auch das Gcdächtniß des Knaben, der alles, was er einige male durchgesungenoder gehört hatte, im Kopfe behielt, erregte damals schon Bewunderung.

Zn Ostern wurde, wie sich von selbst versteht, nur ernste Musik gemacht,Beethoven'sChristus am Oelberg" und andere Oratorien gelangten zurAufführung, und Johann componirtc, wie es scheint zu einer solchen Gelegen-heit, selbst ein solches, von welchem drei Stücke in ziemlich mangelhafter Skizzevorhanden sind. Es sind dies: Chor mit Orchester ss-nrollVoll vonSchmerzen stand die Mutter"; Arie für Sopran und Streichorchester küs-änrVrHier für seines Volkes Schuld"; Chor mit Begleitung von Clarinetten nndFagotten 6-änrWelcher Mensch wird da nicht weinen".

Einer Crinnerungsscier, welche das Kloster beging, muß noch insbesonderegedacht werden. Im Jahre 1846 waren nämlich 600 Jahre seit dem TodeFriedrich's des Streitbaren verflossen, nnd man ehrte das Andenken diesesFürsten durch die Aufführung des Reqniem's von Mozart, wobei Ständig! mit-wirkte. Der Knabe hatte also in dem sonst so stillen Heiligenkrenz vielfache Gelegen-heit, bedeutende Künstler zu hören und Werke großer Meister kennen zu lernen.

In de» späteren Jahren machte Herbeck unter der Anleitung Borschitzky'sauch ans der Orgel große Fortschritte. Die Kaiserin Maria Louise (WitweNapoleon I.) wohnte gelegentlich eines Besuches des Klosters auch einemGottesdienste bei, nach dessen Beendigung Johann Variationen über die öster-reichische Vvlkshymne vortrng. Die Kaiserin, entzückt von der künstlerisch voll-

') Nach freundlichen Mittheilnngen des Herrn Hofcapellnieistcrs Josef Hellniesbcrger.