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Johann Herbeck : ein Lebensbild
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stunden die ganze Zeit ans das Studium der Ghmnasial-DiSciplincn verwendetwerde, so blieben nur gauz kurze Zeiträume während der Erholungsstunde» fürmusikalische Uebungen übrig. Das Betreten des Musikzimmers, i» welchem sichdas Clavicr befand, war den Schülern bei strenger Strafe untersagt, und Johannmußte, um sein heißes Sehnen nach dieser heiligen Halle zu befriedigen, erstPassende Gelegenheiten abwarten. Einmal simulirtc er vor einem gemeinschaftlichenAnsfluge ein Unwohlsein, und als der Präfeet mit den College» sich entfernthatte, ging er in Begleitung Borschitzkh's in's Musikzimmer, um die lang ver-heißene erste und vorläufig letzte Clavierlection zu nehmen.Siehst du",sagte der Organist,diese weiße Taste vor den zwei schwarzen Obertasten heißt0 und die weiße vor den drei schwarzen Obcrtastcn heißt U." Da entstand einLärm ans dem Gange, und man verließ eiligst das Mnsikzimmer. Der Clavier-nnterricht war beendigt, und, obwohl der Knabe nun kaum mehr wußte alsfrüher, so hatte sich ihm mit dem 0 und I? eine nie geahnte, fabelhafte Welterschlossen. Er ging fortan so oft als möglich zum Elavicr, um Gehörtes sichans demselben zusammen zu suchen; zu einem regelrechten Studium diesesInstrumentes, wie der Orgel kam cs erst spater, als der Präfeet endlich einsehcngelernt hatte, daß cs ein Verbrechen wäre, dem Anstürme eines Genies eineMauer von Eigensinn entgegenzusetzcn.

Weil Johann die Eigenheiten und die beinahe herzlose Strenge des Prä-fectcn kannte, so bewahrte er diesem gegenüber auch bezüglich seincr Compositionenein strenges Stillschweigen. Der Knabe saß während der Studien bei einemuralten Schreibtische, worauf das durch ein Lehrbuch geschickt gedeckte Notenheftlag. Sobald sich die Zimmcrthürc öffnete, warf er das Notenpapier in dieoffene Lade, und saß nun scheinbar beim Buche. Diese durch Qualen aller Artverbitterte Heiligcnkreuzer Jugendzeit erschien ihm nachträglich wie eine moralischeOrdalic, in welcher schwache Geister zn Grunde gehen, starke aber geläutertund zum weiteren Kampfe um's Dasein gestählt hervorgehcn.') Es ist aberimmerhin merkwürdig, daß ein Mensch, welcher eine unter de» widerwärtigstenMühsüligkeiten des Lebens verbrachte Jugend hinter sich hatte, dem gerade i»jenen Jahren, während welcher man am empfänglichsten ist für moralische Ein-flüsse, keine zarte Thcilnahmc, keine schützende Fürsorge zu Theil ward - daßein solcher Mensch der musterhafteste Gatte, der beste Vater werden konnte!

In die erste Zeit des Heiligenkrenzer Aufenthaltes scheint noch eine füreine Singstimme mit Begleitung des Elavicrs companirteElegie an den Tod",

') Seinen College» nnd Frennd Sylvester führte er oft als ein Beispiel für seineAnsicht an. Dieser war einer angesehenen nnd reichen Familie entsprossen, welche aber inFolge von UnglüwSfällen später verarmte. Sylvester ging nach Blümchen, nnd trat dort,nin sein Leben zn fristen, in eine Fabrik als gewöhnlicher Arbeiter ein. Durch Fleiß,Talent nnd Unvcrdrossenhcit erwarb er sich ans dem betreffenden industriellen Felde baldsolche Kenntnisse, daß er in Kurzem eine leitende Stellung in einem Etablissement cin-nchmcn konnte.