II
Abwechselnd mußten die Schüler auch das Amt des Speiseuaufwärtcrsbei der Prälateutafel versehen. Die llebcrbleibsel derselben fielen jedes mal dembetreffenden Knaben zu, und es läßt sich vorstellcn, daß ein solcher Tag fürdiesen stets ein Feiertag war, denn die Kost ans dem Schülertischc war eineherzlich schlechte und wurde in so geringer Quantität anfgctragcn, daß dieKinder oft gehungert hätten, würde nicht die Köchin, „Frau Nani", sich ihrererbarmt und ihnen außer der Zeit etwas zukommen haben lassen. Die geringstenBergehcn, wie z. B. das Umwerfen eines Salzfasses bei Tische, wurden vomPräfecten mit Prügelstrafen geahndet, und wie hart er gegen die Knaben seinkonnte, beweist folgende von Herbeck selbst erzählte Episode. An einem rechtkalten Wintertage führte er die, nur mit leichten Mänteln versehenen Schülernach dem, zwei Wegstunden entfernten Baden, hieß sie in der Nähe der Weil-burg stehen bleiben und seine Rückkunft abwarten. Er kehrte erst nach zweiStunden ans der Stadt zurück, und nun mußten die halberfrorenen Kinderbei sinkender Nacht noch den langen Weg nach Hause zurücklegen.
Täglich zwischen 11 und 12 Uhr fanden unter der Leitung des Schul-lehrers und Chorregcnten Johann Grub er Singprobcn statt, wobei die aufzn-ftthrenden Musikstücke studirt und wiederholt wurden. Der Gesang erfreute sichüberhaupt einer aufmerksamen Pflege. Jeden Morgen und Abend nach demGebete und in der täglichen Schnlmessc wurde ein Lied im Chore gesungen,bei Ausflügen in's Freie ertönten die fröhlichen Lieder der Knaben, und manch-mal ließ auch der Prüfect ein kleines Concert in seiner Wohnung von ihnenveranstalten. Don Bernhard, nm einige Jahre älter als Hcrbeck, und damalsAlumne in der Priesterschnle, dichtete hier und da ein Lied, und Johann setztederen mehrere in Musik, darunter auch ein Abcndlied, das von den Knabenim Chore gesungen wurde. Bon diesen Compositivncn ist keine mehr erhalten,dagegen geht aus erhaltenen Mannscriptcn hervor, daß er sich schon in derersten Zeit seines Heiligenkrenzer Aufenthaltes auch an große Aufgaben heran-wagtc, natürlich ohne Erfolg. Eine Messe in 6-inoll, von welcher blos einThcil des Xzwiv vorhanden ist, scheint im Jahre 1842 entstanden zu sein. Derphantasievolle und ehrgeizige Knabe mag sich kaum einige Stücke des Kirchcn-rcpertoires eigen gemacht haben, als auch schon der feste Wille in ihm regeward, eben solche Werke zu schaffe», ohne noch über die einfachsten Grundregelnder Compositions-Knnst Kenntniß erlangt zu haben. Ans der mangelhaften Art,wie er damals noch die Notenköpfe und -Striche, die verschiedenen Schlüsselnund Borzcichnungen machte, ja die ganze Partitur znsammenstcllte, läßt sichschließen, daß er vor Composition der Messe kaum noch einen flüchtigen Blickin eine Partitur gethan hatte. In diese Periode ist aus den angeführten Gründennoch die Entstehung eines Offertoriums in 6-inoll für Sopran-Solo undeines Buutuiu sr§o in d für gemischten Chor, kleines Orchester und Orgelzu stellen. Daß die Ziele, welche er sich gesteckt, sehr hohe waren, beweist diefolgende Bemerkung auf einem Bantuin vr§o in 6: „Deo ^rutius sinitum