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Zur Psychologie der logischen Grundthatsachen
Entstehung
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des Urmenschen, der alle Dinge verwechselt, die er unter einWort zusammenfasst. Und auch im Individuum können wir diesenFortschritt verfolgen. Das Kind reagiert ursprünglich auf alleMänner gleich, z. B. durch furchtsames Schreien; indem ihm aberdie verschiedenen einzelnen Personen verschiedene Gefühlsreactionen,wie Furcht, Sympathie, Weinen, Lachen abnöthigen, differenziertsich der allgemeine »Mann« in einzelne »Männer«.

Andererseits nun scheint der Fortschritt in der Ausbildung undVervollkommnung der Ähnlichkeits-Wahrnehmung zu liegen.»Ähnlichkeiten, welche dem Thier nicht auffallen, fallen dem Menschenauf.« 1 ) Und auf demselben Principe beruhen, wie 'Paine 2 ) richtigbemerkt, die Entdeckungen Goethes und Newtons, welche zu-erst die Ähnlichkeit oder Analogie zwischen Staubfäden und Blumen-blatt und zwischen der Bewegung des Mondes und der eines Apfelsaufwiesen. Dieser Fortschritt aber beruht offenbar auf einer Steige-rung des Wahrnehmungsvermögens.

Fliemit scheint nun aber auch die Lösung der Antinomie an dieHand gegeben. Die Entwickelung nämlich des Perceptionsvermögensund die des Reactionsvermögens gehen offenbar einander parallel. DieFrage, welche von beiden die primäre sei, ist gleichbedeutend mitder unlöslichen, metaphysischen und erkenntnistheoretischen Grund-frage , ob das Subject oder das Object primär sei ? Wir müssenuns deshalb darauf beschränken, zu constatieren, dass die Ent-wickelung des einen Vermögens, die Steigerung der Ähnlichkeits-empfindung, die des anderen, die Steigerung der Unterschieds-empfindung, mit sich bringt. Das Ideal, wir müssen hier wieder-holen , was wir am Eingänge bemerkten, wäre die vollkommeneAusbildung beider Vermögen, also des intuitiven Denkens, und diesewürde (für die Zwecke der Erkenntnis) das discursive Denken über-haupt überflüssig machen.

12. Das begriffliche oder discursive Denken, so möchte ichdeshalb all die vorstehenden Betrachtungen zusammenfassen, ist inkeinem Sinne ein Letztes und Höchstes, es kann vielmehr stets nurdazu dienen, das anschauliche Denken abzukürzen, zu erleichtern,zu vertreten. Es empfängt seinen Wert allüberall erst von dem Wertder vertretenen Anschaulichkeit. Je höher die Abstraction, auf einerdesto höheren Warte steht, einen desto höheren und umfassenderen

) Taine, a. a. ü. II, pag. 24(>.

2 ) Taine, a. a. O. II, pag. 248.