II. ABSCHNITT.
Wort und Begriff.
1. Schon wenn ich das Wort als das einfachste Element derSprache und den Begriff als das einfachste Element des Denkensbezeichne, setze ich mich vielfachem Widerspruche aus. Zuerst einpaar Bemerkungen über den ersten Punkt. Man hat gesagt, nichtdas Wort sei ein wirkliches Element, sondern erst der Satz. DasWort sei lediglich eine Abstraction. Die lebendige Rede gehe inzusammenhängenden Sätzen vor sich.Man hätte auch nochschärfer Vorgehen können und fragen: Wann hat jemals ein Menschzu einem anderen: und, aber, sondern, gesagt, als nur in einemSatze ? Oder aüch: wenn man die Constanz als Maßstab der Ein-heit nehmen wollte, dann dürfte man nicht die Wörter, sondernhöchstens die Laute als ursprüngliche Sprachelemente ansehen, unddoch ist es sicher, dass die einzelnen Consonanten nicht früher dawaren als die Silben und Wurzeln.
Allein alledem lege ich keine große Bedeutung bei. Dennerstens haben diese Worte eben, im Gegensatz zu Lauten undSilben, eine constante Bedeutung, und damit sind sie hinreichendals erste Elemente der Sprache, d. h. als primäre, bedeutungsvolleLautzeichen, charakterisiert. Zweitens hat die moderne Linguistikden Nachweis geführt, dass jedes Wort ursprünglich selbst einSatz, d. h. ein selbständiges Lautzeichen war * 2 ), und dass dies im
‘) Waitz, Anthropologie der.Naturvölker I, pag. 271. — Jerusalem, DieUrtheilsfunction, pag. 26.
2 ) Steinthal, Abriss der Sprachwissenschaft. I, pag. 399. —Max Müller,Das Denken im Lichte der Sprachwissenschaft. Deutsch von Schneider, pag. 227. —Romanes, a. a. O. pag. 297.