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Zur Psychologie der logischen Grundthatsachen
Entstehung
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V. ABSCHNITT.

Anschauliches und begriffliches Denken.

1. Mit allem Vorstehenden habe ich zu zeigen gesucht, dasses zweierlei Formen des Denkens gibt. Die intuitive, anschaulicheist die ursprüngliche: sie bewegt sich in Vorstellungen und Vor-stellungspaaren ; sie erfordert keine Vielheit der Personen; sie istmöglich im Einzelnen. Die discursive, begriffliche ist secundär:sie bewegt sich in Worten, Sätzen und Schlüssen. Sie setzt eineVielheit voraus und beruht auf Mittheilung.

Allein auf einer höheren, auf unserer Stufe der Entwickelungfindet zwischen diesen beiden Denkformen nicht mehr jene klareund einfache Scheidung statt, als würde jeder Mensch dann dis-cursiv denken, wenn er sich unterredet, und intuitiv, wenn er fürsich allein denkt. Im Gegentheil; das intuitive Denken ist ja aufbeiden Gebieten das ältere, weil die Sprache die Anschauung vor-aussetzt. Heute aber steht es so: ich kann einem Freunde einelange Rede halten, z. B. eine Beschreibung entwerfen, deren jedemSatze eine genaue und anschauliche Vorstellung in mir entspricht.Dann ist mein Denken intuitiv und nur mein Reden discursiv.Oder ich kann mit demselben in ganz müdem und abgespanntemZustande Worte wechseln, deren Sinn ich nicht einmal verstehe:das ist ein rein discursives Denken. Wiederum kann ich mich aufeinsamem Spaziergange ganz in anschauliche Bilder versenken,intuitives Denken oder aber mir innerlich einen langen und ver-wickelten logischen Beweis hersagen, dann ist mein Denken dis-cursiv. Es erhellt also schon aus diesen extremen Fällen, dassheutzutage der Umstand, dass ich mich unterrede oder still fürmich denke, nicht mehr von wesentlichem Gewichte ist; und sogar