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Zur Psychologie der logischen Grundthatsachen
Entstehung
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6. Nun gilt es, dies im einzelnen auszuführen, und zu zeigen, wieein Gedanke einerseits intuitiv, anderseits discursiv gedacht werdenkann. Beginnen wir mit der letzteren Aufgabe.

Wir haben an einer früheren Stelle gesehen, wie die Begriffe,d. h. die allgemeinen Worte, untereinander Associationen eingehen,welche denen der ihnen zu Grunde liegenden anschaulichen Vorstel-lungen entsprechen. Auf diese Weise entsteht ein ausgebildetes Systemvon Begriffen, in welchem für jeden Begriff eine Stelle und für je zweiBegriffe die Verbindung vorgezeichnet ist. Dieses System ist alsogewissermaßen ein Fachwerk, dessen einzelne Fächer eine bestimmteAufschrift tragen, ohne dass auf ihren Inhalt die repräsentiertenanschaulichen Vorstellungen einzugehen nothwendig wäre. Dieautomatische Einreihung des Gehörten und Gelesenen nun in dieseFächer könnte man vielleicht nicht unpassend begriffliche Locali-sation nennen. Es ist klar, dass dieselbe automatisch vor sich gehtund ein eigentliches Verständnis in keiner Weise erfordert.

Wenn ich also Sätze, wie: Die Winkelsumme im Dreieckebeträgt zwei Rechte; Tugend ist Glückseligkeit; Die sociale Fragesteht im Vordergrund des öffentlichen Interesses, in einem Lehr-buch oder in einer Zeitung lese, so wird mir natürlich nicht ein-fallen, diese Begriffe und Urtheile auf ihren anschaulichen Gehalt zuprüfen, sondern, ohne dass auf ihren Inhalt eingegangen würde, werdendiese Begriffe und Begriffsverbindungen begrifflich localisiert. Die Notizwird nicht gelesen, sondern nach ihrer Spitzmarke dem begrifflichenSammelkasten eingeordnet; es wird ihnen ohne Rücksicht auf dievon ihnen repräsentierte Anschaulichkeit, lediglich durch ein leisesAnklingen der ringsum associierten Begriffe, ihr psychologischerOrt angewiesen. Ein solcher Satz wird nicht nachgedacht, sondernuntergebracht. Eine Unzahl solcher unentsiegeiter Formeln tragenwir in uns herum, z. B. alle jene landläufigen Sätze, die in Schlag-worten ein philosophisches oder politisches System andeuten wollen.Ja sogar, da sich diese Associationen im Einzelnen auch in derWeise bilden können, dass sie nicht innerlich erzeugt, sondern vonder Umgebung übernommen werden, geschieht es nicht gar soselten, dass man Menschen sehr weise und vielsagende Sätzesprechen hört, von deren Inhalt und Tragweite sie kaum eine leiseAhnung haben. Und man sieht dann in solchen Fällen deutlich,wie die Begriffe und Urtheile sogar in ganz logischer Weise auf-einanderfolgen können, ohne dass das Subject, das sie fällt, für siemehr wäre, als ein mehr oder minder hohles Gefäß. Im übrigen