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Selbstschöpfung eines Gedankens, als auch von seiner gründlichenund tiefgehenden Aneignung. Diesen Sachverhalt hat Schopen-hauer deutlich erkannt. Er sagt 1 ): »Jedes bloß rein vernünftigeGerede ist so eine Verdeutlichung dessen, was aus gegebenen Be-griffen folgt, fördert daher eigentlich nichts neues zutage, könnte alsojedem selbst zu machen überlassen werden, statt dass man täglichganze Bücher damit füllt.« Ferner 2 ): »Was können beiläufig gesagtphilosophische Systeme leisten, die bloß aus dergleichen Begriffenherausgesponnen sind und zu ihrem Stoff nur solche leichte Hülsenvon Gedanken haben? Sie müssen unendlich leer, arm und daherauch suffokierend langweilig ausfallen.« Weiter 3 ): »Das mit Hilfe an-schaulicher Vorstellungen operierende Denken ist der eigentlicheKern aller Erkenntnis, indem er zurückgeht auf die Urquelle, auf dieGrundlage aller Begriffe. Daher ist es der Erzeuger aller wahrhaftoriginellen Gedanken, aller ursprünglichen Grundansichten und allerErfindungen . . . Bei demselben ist der Verstand vorwaltend thätig.Ihm gehören gewisse Gedanken an, die lange im Kopfe herum-ziehen, gehen und kommen ... bis sie endlich, zur Deutlichkeitgelangend, sich in Begriffen fixieren und Worte finden. Ja, es gibtderen, welche sie nie finden; und leider sind es die besten: quaevoce meliora sunt, wie Apulejus sagt.« Endlich: »So viel lässtsich behaupten, dass jede wahre und ursprüngliche Erkenntnis,auch jedes echte Philosophem, zu ihrem innersten Kern oderWurzel irgend eine anschauliche Auffassung haben muss. Diese,obgleich ein Momentanes und Einheitliches, theilt nachmals derganzen Auseinandersetzung, sei sie auch noch so ausführlich,Geist und Leben mit . . . Hat die Auseinandersetzung einen solchenKern, so gleicht sie der Note einer Bank, die Contanten inder Cassa hat; jede andere, aus bloßen Begrififscombinationenentsprungene, ist wie die Note einer Bank, die zur Sicherheitwieder nur andere verpflichtende Papiere hinterlegt hat.« Oder,um das Bild zu wechseln, ausgetretene Pfade sind ein ausgezeich-netes Verkehrsmittel, wenn man da gehen will, wo schon vieleandere gegangen sind; sie werden aber nie auf einen noch unbe-tretenen Gipfel führen. 4 )
‘) Schopenhauer, Über die vierfache Wurzel etc. § 28 in fin. Werke, I, pag. 105.
2 ) Schopenhauer, a. a. O. § 26, ibid. pag. 99.
3 ) Schopenhauer, a. a. O. § 28, ibid. pag. 103 ff.
4 ) Vgl. J. St. Mill, Logic, II, pag. 257 ff.