82
er durch eine Überzeugung, die sich in einer Behauptung ausspre-chen kann, zum Stillstand gebracht wird. Damit ist dann ein \
Schlussprocess abgeschlossen, und wenn die Associationsreihe sich |
nun fortspinnt, so beginnt damit ein neuer Schluss. Und ebenso J
unterliegt nicht die Association als solche, sondern erst ihr Endglied J
der Anerkennung oder Verwerfung. Freilich wird man nicht unter- .j
lassen, mir einzuwenden, ich verwechsle die Wahrheit oder Irrthüm- |
lichkeit eines Resultates mit der Giltigkeit oder Ungiltigkeit eines |
Schlusses, also die materielle mit der formellen Wahrheit. Dem ist f
aber nicht so. Es wird ja allgemein zugegeben, dass die formelle \
Wahrheit eine hypothetische sei. Gelten die Prämissen, so folgt aus I
ihnen die Conclusion, pflegt man zu sagen. Ich kehre dies nur um j
und sage: Folgt aus der Minor die Conclusio, so ist die Major |
gütig- Z. B. Ich sehe täglich um die Mittagsstunde einen Mann insin bestimmtes Haus gehen. Ich schließe, dass er dort wohne. Dieser j!
Schluss ist wie jeder Schluss des wirklichen Denkens ein Analogie-Schluss. Für ihn gibt es keine formale Wahrheit. Die formale Wahr- j
heit würde erst auftreten, wenn wir die Major hinzunehmen: Wer '
täglich in dasselbe Haus geht, wohnt dort. Diese Major wäre gewiss •;
gerade so falsch wie jene Conclusio, aber sie liegt auch ebenso '
nahe. Man kann aber auch aus diesem Beispiel etwas ganz anderes }
und viel wichtigeres ersehen. Der genannte Schluss ist nämlichrichtig als ein Wahrscheinlichkeitsschluss. Was heißt das aber? D. h. j
logisch, dass die gütige Major lauten würde : Viele Leute, welche etc.,wohnen dort. Psychologisch drückt sich aber diese nur wahrschein-liche Geltung aus in dem geringeren Grade der Überzeugung, mit j
welcher die Folgerung angenommen wird. Man sieht also, dassunsere Auffassung in ungekünstelter Weise die Wahrscheinlichkeits- i
Schlüsse mit den Syllogismen verbindet. Und dies scheint mir ge-radezu nur unter der Voraussetzung möglich, dass man das oft so-genannte Bewusstsein der NothWendigkeit nicht auf die Folgerungals solche, sondern auf die Conclusion bezieht, denn es hat schlechter- :
dings keinen Sinn zu sagen, dass der Associationsprocess mit !
größerer oder geringerer Intensität vor sich gehen könnte. Wollteaber gar jemand Rechenschaft verlangen über den Unterschied i
zwischen inductiven und deductiven Schlüssen, so müsste ich er- :
widern, dass es deductive und inductive Schlüsse ebenso-wenig gibt wie analytische und synthetische Urtheile; )
sondern was es in Wahrheit gibt, sind Urtheile und Schlüsse im ;
Dienste der analytischen und deductiven, respective synthetischen