Druckschrift 
Zur Psychologie der logischen Grundthatsachen
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

81

und einer zu diesen bestehenden Ähnlichkeitsbeziehung«. 1 ) DieGröße und Existenz einer Orange nehme ich wahr, obwohl mir dieGesichtsempfindung kaum mehr als einen farbigen Fleck liefert.Allein alle übrigen Eigenschaften einer Orange waren in früherenFällen mit einem ebensolchen farbigen Fleck verknüpft, und indemzunächst die gegenwärtige Empfindung die frühere wachruftAssociation der Ähnlichkeit und dann diese die coexistierendenQualitäten Association der Berührung, wird aus der Sinnes-empfindung die Wahrnehmung. Ganz ebenso ruft in einem obenangezogenen Beispiel der Anblick eines verkohlten Baumstrunkeseinen früheren ähnlichen Anblick wach Association der Ähnlich-keit und dieser den Blitz Association der Berührung. Inbeiden Fällen also bleiben die früheren Erfahrungen unbewusst undbilden doch die Grundlage des Processes: das eine Mal das Asso-ciationsmaterial, das andere Mal die Major. Der Sinnesempfindungdort entspricht hier die Minor, der Wahrnehmung die Conclusio.Was folgt hieraus? Nicht, dass der Wahrnehmung ein unbewussterSchlussprocess zugrunde liegt; im Gegentheil: derselbe wesentlichwortlose AssociationsVorgang kann das einemal als Wahrnehmung,das anderemal als Schluss angesprochen werden.

Soweit Binet in freier Wiedergabe. Im großen und ganzenhalte ich diese Betrachtung für eine der größten Errungenschaftenmoderner Psychologie. Und es wäre zu hoffen, dass damit jeneRede von dem unbewussten Wahrnehmungsurtheil ein- für allemalabgethan sei. Hier aber müssen wir uns mit zwei Nebenfragen aus-einandersetzen.

6. Einmal kann nicht geleugnet werden, dass, wenn der SchlussWeiter nichts wäre als eine Association vom sprachlichen Aus-druck natürlich abgesehen derselbe 1. ins Unbegrenzte verlaufenkönnte und 2. nicht das Bewusstsein einer Nothwendigkeit aufweisen,keine Beurtheilung auf Wahrheit oder Irrthum zulassen würde. Diesgesteht auch Binet 2 ) selbst zu, wenn er vom gewöhnlichen Asso-ciationsablauf sagt: »Wie es kommt, dass diese Vorstellungser-

weckungen keine Schlüsse sind, darüber wüsste ich in Wahrheitnichts zu sagen.« Beiden Mängeln aber kann meines Erachtens ab-geholfen werden, indem man das Moment der Überzeugung einführt.Der Associationsprocess kann ins Unendliche verlaufen, aber nur bis

*) Binet, a. a. O. pag. 82.

2 ) Binet, a. a. O. pag. 157.

6