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Die besondere Wichtigkeit der Contamination liegt darin, dassbei ihr zuerst die Copula jene Bedeutung gewinnt, die sie dann inunserer Sprache allgemein besitzt, und dass die Logik das Bestrebenzeigt, alle Urtheile nach dem Muster solcher Contaminationsurtheileauszugestalten. Indem ich diesbezüglich auf spätere Erörterungenverweise, will ich hier nur auf die Psychologie der Sache ein wenigeingehen. Es kann nämlich die Form der Contamination an die Stelleder Modification dann treten, wenn der Sprecher nicht zuerst denGegenstand und dann dessen Eigenschaften appercipiert und be-nennt, sondern die verschiedenen Qualitäten zunächst als selbständigeWesen auffasst. Hiefür bietet die hebräische Sprache ein lehrreichesBeispiel.
Das Hebräische kennt keine Copula und stellt das adjectivischePrädicat voraus. So es heißt dort nicht: Der Baum ist groß, sondern:Groß der Baum. Dies muss psychologisch also erklärt werden:Der Hebräer sieht ein Object; an diesem fällt ihm zunächst auf,dass es etwas Großes, Hohes ist, und er ruft: Gadol, groß (einGroßes). Dann erst bemerkt er, dass es ein Baum sei, und sagtnun: ha ez, der Baum. So entsteht der Satz: Gadol ha ez, Großder Baum, welcher bedeutet, dass das wahrgenommene Object zu-gleich ein Großes und ein Baum sei. Es wird also hier ein Urtheil,das wir durch Modification fällen würden (Stelle dir einen Baumvor, und zwar groß!), durch Contamination vollzogen (Stelle diretwas vor, das groß und das ein Baum ist!). Zum Ausdruck einersolchen Contamination, einer solchen »In-eins-setzung« , die hierwirklich das Wesen des Urtheiles ausmacht, verwenden wir dieCopula als Zeichen der Identität, und wenn wir sagen: Der Baumist groß, so formen wir dieses Urtheil nach dem Schema der Conta-mination (Stelle dir einen Baum vor, der auch ein Großes ist!).
Endlich will ich noch bemerken, dass natürlich viele solcheCombinationen in ein Urtheil zusammengezogen werden können.Ich kann hier auf die Einzelheiten nicht eingehen, da ich sonst dieganze Grammatik psychologisch erläutern müsste. Ich will nur bei-spielsweise einen viel verhandelten Fall erwähnen, die Frage näm-lich , wodurch unterscheidet sich: Das Blatt ist grün, von: Dasgrüne Blatt? »Das Blatt ist grün«, so lautet die Antwort, enthältdie Anweisung zur Bildung der zusammengesetzten Vorstellung»Grünes Blatt«. »Das grüne Blatt« setzt in seiner ursprünglichenVerwendung voraus, dass eine derartige Vorstellung vom Hörerschon einmal gebildet wurde und jetzt in ihm latent, zur Repro-