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dem Verhältnisse des Menschen zu seinen Thätigkeiten entstandenist, und niemand, der je ernstlich sich vergegenwärtigt hat, wiealle Substantiva zu ihrem sprachlichen Geschlechte kommen, kanndies übersehen haben. Gewiss, jede Substanz, die wir als selbst-ständiges Individuum denken, schaffen wir nach dem Bilde desmenschlichen Individuums, und in jeden als Thätigkeit aufgefasstenVorgang verlegen wir mit Schopenhauer unseren Willen. Aberdeswegen darf noch nicht behauptet werden, eben hierin und nurhierin liege das Wesen der »Urtheilsfunction«.
Denn erstens erscheinen uns auch bloße Wahrnehmungen indieser Formung, und ich kann das Ungeformte und Chaotische,das Jerusalem in ihnen findet, nicht aufweisen. Dies wird amdeutlichsten werden, wenn wir uns auf die Wahrnehmungen vonwirklichen Willensthätigkeiten besinnen. Wenn ich einen Hund laufensehe, so fasse ich diesen Vorgang sicherlich als »Kraftäußerung«eines »Kraftcentrums« auf. Und deshalb scheint mir das Dilemmaunausweichlich: entweder schon die Wahrnehmung ist »geformt«
— dann können auch psychische Acte geformt sein, die nicht Ur-theile sind J ); oder ich ziehe vor zu sagen, dass solche wahre Willens-thätigkeiten gar nicht mehr »geformt« zu werden brauchen: — dannenthält auch das Urtheil: »Der Hund läuft« keine »Formung« unddann gibt es auch Urtheile ohne Formung.
Aber die Formung reicht auch nicht für alle Urtheile aus.Wenn ich sage: dieser Mann ist mein Bruder, dann kann auch dielebhafteste Phantasie das »Bruder-sein« nicht als die »Kraftäuße-rung« »dieses Mannes« verstehen. Denn der Wille kann stets'nureine Thätigkeit wollen, nicht eine Identität, d. i. eine Relation.
5. Eine ganz andere Ansicht entwickelt Wundt in seinerLogik. Nach ihm-) folgt die Zerlegung der Gesammtvorstellungenstets dem Gesetze der Zweigliederung, Dualität. DiesesGesetz erkläre sich aus den zwei Annahmen: »1. Jeder zusammen-hängende Gedanke ist psychologisch aus einer einzigen Gesammt-vorstellung hervorgegangen. 2. Der appercipierte Gedankenverlaufist ein rein successiver; jede einmalige Theilung ist aber noth-u 7 endig eine Zweitheilung. Das Gesetz schliesst also unmittelbardas Nebeneinanderbestehen mehrerer zerlegender Denkacte aus.« Daaber die Zerlegung in begriffliche Bestandtheile stattfinde, die be-
*) Ueber das Wesen der Wahrnehmung im Gegensätze zum Urtheil siehe denIV. Abschnitt.
2 ) Wundt, Logik, pag. 53ff. ’