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wird entsprochen, so viele unwesentliche Verschiedenheiten zwischenbeiden Vorstellungen obwalten mögen, und es kann ihm nur ent-sprochen werden, wenn meine Vorstellung eine deutliche ist; dasist sie aber nur dann, wenn sie eine wirkliche, vollständige Wahr-nehmung reproduciert. Mit sehr vielen unwichtigen Merkmalen, diemir etwa erzählt werden könnten, wäre mir nicht gedient; dennjede concrete Wahrnehmung enthält unendlich viele Details, undwürden diese nicht von meiner Erinnerung ergänzt, so könnte mirauch die minutiöseste Schilderung kein leibhaftiges Pferd, sondernhöchstens einen Haufen todter Pferdemerkmale liefern.
Dieser Thatbestand ist noch einer ganz besonders drastischenErläuterung fähig. Es gibt nämlich Fälle, wo die durch ein Wortwachgerufene Vorstellung in eine Hallucination übergeht, insbeson-dere bei der Suggestion von Somnambulen. (Unter Somnambulen ver-stehe ich im Sinne des französischen Terminus technicus jene patho-logischen Individuen, die der Suggestion besonders zugänglich sind.)Darüber erzählt z. B. Binet 1 ): » Lorsque le sujet est convenablementprepare .. .il suffit de lui dire ave c autorite: voila un serpent, pour qu’ilvoit le serpent ramper devant lui. « Ich habe diese Worte angeführt, weilsie für meine These unbewusst zeugen. Man sagt dem Kranken: eineSchlange, und er sieht vor sich — die Schlange. Eine bestimmtelebendige, complete, mit allen Merkmalen ausgerüstete Schlange, vorder er schreiend .davonläuft. Woher kommt sie? Aus dem Vorrathder aufgespeicherten Einzelbilder. Es bleibt also dabei: ein ver-standenes Wort erweckt im Hörer eine bestimmte Vorstellung. 2 )
Endlich will ich noch ein Beispiel aus meiner eigenen Er-fahrung geben. Die genaue Vorstellung, die ich mit dem Worte»Clavier« verbinde, hat bei mir sehr gewechselt. Früher dachte ichwenn ich von einem Clavier hörte, an ein braunes, mittelgroßes;später an ein schwarzes. Der Grund lag einfach darin, dass wirfrüher ein braunes, später ein schwarzes besaßen.
G. Indem wir es vorläufig dahingestellt sein lassen, ob dieseVorgänge auch beim Hören und Verstehen abstracter Worte statt-finden, wenden wir uns den Vorgängen im Sprecher zu. Hier sindzweierlei Phänomene zu unterscheiden.
Das eine entspricht der Einzelvorstellung des Hörers. Ichmeine die concrete Einzel Vorstellung, die ihn zum Aussprechen
*) A. a. O. pag. 33.
2 ) Vgl. Wund t, a. a. O. pag. 40.