streift werden können. Es ist nicht abzusehen, wie z. B. die Art-vorstellung eines Dreieckes bestehen sollte, das nicht spitzwinkelig,noch rechtwinkelig, noch stumpfwinkelig wäre; oder die einesPferdes, das weder Schimmel, noch Rappe etc. ist. Und die Methode,nach welcher wir diese Schwierigkeiten beseitigen, nämlich die be-wusste Substitution von Einzelvorstellungen und allgemeinen Namen,soll ja eben, der Voraussetzung nach, bei den Thieren ausge-schlossen sein. Das freilich ist ohneweiters zuzugeben, dass, wennetwa gewisse Thiere unsere Sprachzeichen durch irgendwelcheandere Zeichen ersetzen, dass für diese Thiere Abstraction anzu-nehmen keinerlei Schwierigkeit vorliegt. Und für die Ameisen z. B.wird derlei vielleicht wirklich anzunehmen sein. ’) Im übrigenmahnen uns schon die vorgebrachten Bedenken zu äußersterVorsicht.
Die Mahnung wird verstärkt durch die Erwägung der That-sache, dass auch noch bei den tiefststehenden Naturvölkern die Ab-straction unendlich unvollkommen ist, wofür ihre Sprachen ein ent-scheidendes Zeugnis ablegen. Zur Erhärtung dessen führe ichfolgende Thatsachen an, die eben Romanes selbst in anderemZusammenhänge bringt. * 2 ) Die Eingeborenen der Gesellschaftsinselnhaben eigene Worte für Hundeschwanz, Vogelschwanz, Schafschwanz,aber kein Wort für Schwanz im allgemeinen. Die Australneger habenkeine gemeinsame Bezeichnung für Baum, Vogel, Fisch 3 ), die Eskimoseigene Worte für Seehundfang, Walfischfang und keine gemeinsameBezeichnung. Sie kennen auch viele Worte, um Schläge mit ver-schiedenen Waffen auszudrücken, aber kein allgemeines Wort:schlagen. 4 5 ) Die Zulus kennen kein einheitliches Wort für »Kuh«,sondern nur verschiedene Ausdrücke für »weisse Kuh«, »brauneKuh« etc. 6 ) Die Irokesen haben 13 Worte für die verschiedenenArten des Waschens 6 ), und die Tasmanier haben keine Worte fürBaum, hart, weich, kalt, warm, lang, kurz, rund. 7 )
Da nun zweifellos Hunde und Füchse, Hirsche und Wasser-hühner geistig tiefer stehen als Zulus und Eskimos, so könnten uns
Romanes, a. a. O. pag. 91 ff.
2 ) Romanes, a. a. O. pag. 350 ff.
8 ) Quatresfages, Revtie des deux mondes. 15. December 1860.
4 ) Du Ponceau, Mem. sur le syst, gramm., pag. 120-
5 ) Journal Americ. Oriental. Soc. Nr. IV, pag. 402.
6 ) Picke ring, Indlaji languages, pag. 26.
7 ) Millegan’s Vocabulary of the dialects of Tasmania, pag. 34.