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4. Um zunächst die Thierwelt zu betrachten, will ich zweiAussprüche bedeutender und sehr verschiedener Denker voraus-schicken , denen die Ansicht gemeinsam war, dass das Thier nurin Einzelvorstellungen zu denken vermöge. So sagt der ConceptualistLocke 1 ): »It seems as evident to me, that they (seil, the animals)do so me of them in certain instances reason as that they have sensc,Imt it is only in particular ideas, just as they receivcd them fronttheir senses. They ave the best of them tied up within those narrozvbounds, and Have not (as I think) the faculty to enlarge them byany kind of abstraction.« Und der Realist Schopenhauer 2 ):»Alles dies beruht auf der einzigen Fähigkeit, nicht anschauliche,abstracte, allgemeine Vorstellungen, zu haben, die man Begriffenennt. . . . Dieser Fähigkeit entbehren die Thiere, selbst die aller-klügsten: sie haben daher keine anderen als anschauliche Vor-stellungen und erkennen demnach (?) nur das gerade Gegenwärtige,leben allein in der Gegenwart.«
Allein ich fühle die Verpflichtung, auch auf die Sache selbsteinzugehen, und halte mich dabei in erster Linie an das grund-legende Werk von Romanes, The origin of human faculty.Und dies umsomehr, als gerade Romanes die Ansicht vertritt,dass die Thiere eine eigenthümliche Art von Abstraction wirklichkennen, die sich von der menschlichen nur dadurch unterscheide,dass sie 1. nicht an Sprach- oder andere Zeichen gebunden sei,und 2. ihre allgemeinen Vorstellungen nicht selbst zu einem Objectedes Denkens geworden seien, da den Thieren unser Selbstbewusst-sein, d. h. das Bewusstsein ihres Bewusstseins fehle. Die allgemeinenund abstracten Vorstellungen nennt er concepts, die thierischenrecepts. Die Entstehung dieser receptuellen Vorstellungen, die auchvon Darwin 3 4 ), Huxley ■*) und anderen anerkannt werden, hätteman sich folgendermaßen zu denken: Jene Classenunterscheidungen,die ehemals die einzigen waren, bleiben auch nach weiterer Aus-bildung des Unterscheidungsvermögens bestehen, und so tretendann bei kräftigerer Entwickelung dieses Vermögens Artvorstellun-gen neben Individualvorstellungen. Allein zunächst unterliegt dieseTheorie allen jenen Schwierigkeiten, denen der Conceptualismus.überhaupt ausgesetzt ist, und die an dieser Stelle nur flüchtig ge-
*) Locke, a. a. O. II. c. 11, s. 11 in fin.
2 ) Schopenhauer, Freiheit des Willens, pag. 34.
s ) Darwin, Descent of man, pag. 76.
4 ) Huxley, David Hume, pag. 106.