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Zur Psychologie der logischen Grundthatsachen
Entstehung
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lautet: in der Hauptsache nicht! Denn wir dürfen uns keinerTäuschung darüber hingeben: weil wir ein bestimmtes Bewusstseins-phänomen bildlich eine Vorstellungsverschmelzung nennen, deshalbverliert es psychologisch nichts von seiner Einfachheit. Es ist dasja einer der folgenschwersten Denkfehler, unsere logische Analyseals die genaue Umkehrung des historischen Werdens anzusehen.Aber ebensowenig wie die Schwefelsäure, die wir H, SO^ schreiben,deswegen durch das Zusammentreten von isolierten Elementen H 2 ,S und 0 A oder die Sprachwurzel DA durch Zusammensetzung ausursprünglich selbständigen Lauten D + A 1 ) entstanden ist, ebenso-wenig entsteht eine Wahrnehmung aus einer Empfindung und einemUrtheil, und ganz ebensowenig besteht eine verschmolzene Vor-stellung aus mehreren ursprünglichen Vorstellungen. Wenn demungeübten Auge zwei Farben noch zusammenfallen, die für dasgeübtere auseinandertreten, so darf man deshalb nicht sagen, dererstere einheitliche Eindruck sei ein zusammengesetzter oder ver-schmolzener. Stellen wir uns ein Wesen mit so getrübtem Augen-lichte vor, dass es von allem, wie man zu sagen pflegt, nur einenSchein hat, also nur den Unterschied von hell und dunkel empfindet,die Wahrnehmung der Farbenunterschiede aber verloren hat, so wirdman nicht sagen können, die einheitliche Helligkeitsempfindung seieine »allgemeine Vorstellung« in dem Sinne, als zöge sie von allenEinzelfarben die Eigenschaft der Helligkeit ab und vereinigte dieabgezogenen Qualitäten zu einer neuen allgemeinen Oualitätsvor-stellung. Und da die Empfindungen, je tiefer wir in der Stufenreiheder Organismen hinabsteigen, um so undeutlicher und daher um soVerschiedeneres zusammenfassend werden, so müsste gar die hierbekämpfte Ansicht die Empfindungen des Menschen für relativ ein-fach, die des Protozoons aber für unendlich zusammengesetzt erklären,womit wohl die rcdtictio ad absurdum durchgeführt erscheint. Soergibt sich denn, dass die auf mangelnder Unterscheidungsgabeberuhende VorstellungsVerschmelzung, mag man sie erklären, wieman will, und vergleichen, mit was man will, die Einfachheit undEinheitlichkeit der Empfindungen und Erinnerungsbilder in keinerWeise berührt, und auch ein mit einem unvollkommenen Erkennt-nisvermögen ausgestattetes, isoliertes Wesen darum nicht aufhört,lediglich in Einzelvorstellungen zu leben und zu denken. Und nunkönnen wir daran gehen, dieses Ergebnis an der Hand der Erfah-rung zu verificieren.

j Vgl. Max Müller, Das Denken im Lichte der Sprache, pag. 173, 176.