Die Skulpturen des alten Berliner Lustgartens.
155
werke des Gartens abgebildet sehen. So die Fontaine, die, nachNicolai, jener Rotterdamer Pieter Streng im Jahre 1656 auspimaischem Sandstein meisselte; sie bestand aus einem reich-gegliederten Fuss und zwei Schalen, deren obere in Form einesoffenen Blumenkelches zwei Amore mit Delphinen trug. Merk-würdig, allerdings echt holländisch naturalistisch, muss Strengskolossaler Neptun ausgeschaut haben*), ein auf zerbröckeltemFelsgestein hingelagerter, schwerfälliger Greis mit langem Haarund Bart, Glotzaugen und einem veritablen Schmerbauch; ausden Spitzen der Steine und des Dreizacks, auf den sich der etwasemporgerichtete Meergreis mit der Linken stützte, währenddie liechte den Boden berührte, spritzten Wasserstrahlen ringsherum.
Ausser dem Neptun soll Streng hier noch „eine stehendeCeres, eine sitzende Flora und zwei Sonnenuhren, jede mit einemstehenden Kinde“, gemeisselt haben. Mit Larson, der in früherenJahren in London thätig gewesen sein soll, werden nur die Modellevon 12 Kinderfiguren, die Woulleaume in Blei goss, in Ver-bindung gebracht. Aus den erwähnten Abbildungen ersehen wir,dass der Lustgarten noch weitere Figuren von Kindern undEroten enthielt, wenigstens erkenne ich unter denselben jenenmarmormen bogenschnitzenden Kupido, der aus der BerlinerKunstkammer in das Museum am Lustgarten gelangt ist und hier,auf Sandrarts Autorität hin, stets als ein Werk des FrancoisDuquesnoy (1594—1642) gegolten hat, während Elsholtz denKupido ausdrücklich dem, in der Kunstgeschichte völlig unbe-kannten Otto Mangiot zuschieibt**).
Ein anderes Figürchen unter den Kindergruppen des Lust-gartens war ebenfalls geflügelt, trug aber mit beiden Händeneine Kurfürstenkrone. Ob hier eine Darstellung des 1648 in Clevegeborenen Kurprinzen Wilhelm Heinrich, der schon ein Jahrdarauf, auf der Rückreise seiner Eltern in die Mark, starb, vorliegt?So viel wissen wir, dass Dusard wirklich, ausser der Statue FriedrichWilhelms, noch die Kinderfigur dieses schmerzlich betrauertenPrinzen, und ferner eine Venus, für den Berliner Schlosspark ge-
*) Nicolai giebtdagegenbei Beschreibung des Lustgartens den Neptun als ein Werkvom Jahre 1651 an.
**) Sandrart und Elslioltz — beide dürften Recht behalten. Das Berliner Museum be-sitzt nemlich zwei Exemplare dieses Kupido, ein nmmitliiges Original und eine mittel-massige Nachbildung. Diese könnte sehr wohl das von Elsholtz gemeinte Werk des Bra-banters Mangiot sein.