152
Y. Eine Jugendstatue des Grossen Kurfürsten.
Portraits sprach, so zog ich allerdings nicht in Betracht, wasZeit und Menschenhand an den weiblichen Büsten verschuldethaben. Als unrettbar verloren muss leider auch der Kopf derMaria Stuart gelten. Und das ist um so beklagenswerther, alswir nun nicht mehr nachzuweisen vermögen, ob dieses WerkDusards jenes Portrait der Prinzessin von 1641 ist, dem derjugendliche Wilhelm II., in absentia der Gemahlin, gehuldigthatte*). Was man allein noch erkennen kann, ist, dass ihr zartesHaupt, dessen Kinderaugen ja aus so vielen Bildern van Dycksarglos in die Welt schauen, die damalige Modefrisur mit Löckchenan den Schläfen trägt und dass ihr hüllenloser Kacken von einemStück ihres Hermelinmantels umrahmt ist. Mir scheint freilichder Kopf ältere Züge zu besitzen, doch gebe ich gern eine durchdie Verwitterung des Materials hervorgerufene Täuschung zu.Auch sieht ihr Pendant, der Prinz-Gemahl, jünger als auf jenerStatue von 1646 aus. Im Uebrigen entspricht die BüsteWilhelms II., in Ausdruck, Haartracht u. s. w., durchaus demPortrait des Marmorsaales; auch fehlt ihr weder der Panzer, nochdie Brustschärpe.
£
T)ie Beziehungen Friedrich Wilhelms und seiner edlen Ge-mahlin zu Franziscus Dusart gehören ausschliesslich demAnfang der fünfziger Jahre an, wenigstens wird durch nichtsbewiesen, dass das kurfürstliche Paar, nachdem es seine ResidenzCleve im September 1652 verlassen, die Verbindung mit Dusardnoch in Berlin weiter unterhalten hatte. Auch früher, währenddes ersten clevischen Aufenthalts zwischen 1646 und 1649, dürfteder Karne des Wallonen am brandenburgischen Hofe kaum ge-nannt worden sein.
Damals stand dort ein anderer Künstlername im Vorder-grund: Gerard van Honthorst. Kachdem die Hochzeit
Friedrich Wilhelms im Haag gefeiert war, entstand dio Koth-wendigkeit, einem Theil des fürstlichen Bekanntenkreises diePortraits der Jungvermählten als Andenken zu verehren. Es hat
*) Sielie oben S. 142.