Besserg.d.LageUrban'sll.; sein Weggang nach Tuscien. Verrath d. Eupraxia. 423
jenigen des Sohnes König Konrad, an Kaiser Heinrich IV. be-gangen worden. Seine zweite Gemahlin war von ihm abgefallenl?
Zwischen Heinrich IV. und Eupraxia muß ein tiefes Zer-würfniß entstanden sein, das bis in das vierte Jahr der Anwesen-heit in Italien, wohin die Kaiserin dem Hofe gefolgt war, zumvölligen Bruch führte. Es ist in hohem Grade wahrscheinlich, daßHeinrich IV. Grund hatte, in die Treue der Kaiserin Zweifel zusetzen. Jedenfalls hatte er sie der freien Bewegung beraubt, undsie saß in Verona wie eine Gefangene. Aus dieser Haft ließ sieder Gräfin Mathilde Nachricht geben, daß sie ihr zur Flucht ver-helfen möge, und durch den Beistand des jungen Welf gelang esihr, ihren Aufsehern zu einer ihr entgegengeschickten Schaar zuentkommen und zu Mathilde sich zu begeben; von dieser, sowie vonWelf, wurde sie mit Ehren empfangen: es scheint nicht lange nachBeginn des Jahres geschehen zu sein. Sehr bald zeigte sich, weß-wegen der Flüchtigen Aufnahme in der Umgebung der Gräfin ge^-währt wurde. Die allerschändlichsten Dinge brachte das schamlose -Weib, das über sich selbst auch das Allerekelhafteste, wenn es Hein-rich IV. zu schaden vermochte, zu erzählen nicht erröthete, mitfrecher Stirne über ihr Eheleben vor, um ihre Flucht zu recht-fertigen, und die sittlich so unendlich hoch über ihr stehende Bundes-genossin Urban's II. scheute sich nicht, auf alle diese Schilderungendie Hand zu legen und sie zur Verunglimpfung des Kaisers möglichstzu verbreiten. Was für eine Freude darüber auf Canossa
herrschte, hat noch nach Jahren Donizo in lebhaftesten Worten aus^_)
gesprochei^/indem er überall aus dem Buche der Richter die Ver-gleichungen, zur Verherrlichung seiner Heldin Mathilde, heranzog.
Die neue Deborah hat gesehen, daß die Zeit gekommen sei, umSisara niederzuschmettern, und gleich der Jael hat sie dem Sisaraden Nagel in die Schläfe gebohrt. So verachtete — heißt esweiter — alle Welt, in Folge der Ausstreuungen solcher Gerüchte,den Kaiser und seinen Papst, und mächtig stieg überall der Anhangdes heiligen Petrus empor ^).
'2) lieber den Abfall der Kaiserin bietet einen zwar ganz parteiisch ge-färbten, aber wegen der Beziehungen zu Mathilde wohl in erster Linie zubeachtenden Bericht Donizo, Vita Natkiläis, Ink. II, in o. 8, der allerdings— vergl. schon ob. S. 393, in n. 4 — chronologisch an unrichtiger Stelle ein-geschoben ist. Es heißt da, v. 736 ff.: rlugurium psjns reZi gnogus eontigit;eins üagitium xrorsns sua eaepit spsrnere eonjnnx, gnoä taosat mstrum,Vinns knie ne äeZsnsrstur. Lst eie rsgina kraxeäs tarnen rustra äieuot,nämlich, daß sie — timst ipsa virum — Irrrtim rnunirnina gnasrit Llatkiläis,poscens nt sum äisjnngat ak koste, worauf die Debora nova (vergl. dieseGleichsetzung schon Bd. III, S. 400) aspicisns . . . tsmpns inssss vsl koram,dune nt prostsrnat Lisaram, clam guipps eatsrvam Veronarn wisit — dann:rszina manekat st iliis —: privatim vsnit, äetsrtur, laeta reeeüit; rsgis eamssrvi psrctunt strspitu sine belli; susoipitur rsots rsversntsr uokilitsrgns aäowina saus Natkiläi (die Ansetzung dieser Flucht „bald nach Weihnachten"nahm Giesebrecht, III, 656, wohl aus der Stellung der Nachricht bei Bernoldganz nahe am Anfänge des Jahresberichtes); als Wirkung dieser Vorgänge