Druckschrift 
6 (1907) 1106 bis 1116
Entstehung
Seite
274
Einzelbild herunterladen
 

274

1113.

des Pfalzgrafen Siegfried war nämlich alsbald, noch vor dein Oster-tage, Graf Gottfried von Calw, der besonders seit 1111, zumeistneben Herzog Friedrich, in Heinrich's V. Umgebung häufig erschien,wie er ihn denn nach Italien begleitete und an den Verhandlungenim Februar jenes Jahres gegenüber Paschalis II. betheiligt war,zur pfalzgräflichen Würde emporgehoben worden, so daß er ebenam 6. April in dieser höheren Stellung genannt werden konnte.Jetzt vollends nahm er als Rathgeber des Kaisers einen sehr ansehn-lichen Platz ein, wie er denn auch, als alleiniger Erbe der Haus-macht nach dem Tode des Vaters, Adalbert's II., der 1099 gestorbenwar, als ein sehr reicher Fürst betrachtet wurdet-

Außerdem kam aber hier in Worms am Ostertage auch dieAngelegenheit Erzbischof Adalbert's zur Behandlung. Für diesenhohen geistlichen Gefangenen war inzwischen eine am 25. Januaraus Benevent gegebene Fürbitte des Papstes bei dem Kaiser ein-gelaufen, der da, trotz Allem, was im vorhergehenden Jahre schongeschehen war, noch mit Segenswunsch als „der in Christo geliebteSohn" angeredet wurde. Paschalis II. hatte geschrieben: „Wennzwischen Freunden eine große Liebe besteht, so ist gewiß noch größerunter den Menschen die väterliche Liebe. Deßwegen, was immerum Dich herum Andere sprechen mögen, was sie schmeicheln, es istunsere Pflicht, Dir die Wahrheit klarer zu zeigen und wahrhaftig fürDeine Ehre und Dein Heil Sorge zu tragen. Wir haben nämlichgehört, daß Dein Kanzler Adalbert von Dir gefangen gesetzt wordensei. lieber diesen geben wir, so viel wir wissen, so viel wir inErfahrung gebracht haben, das Zeugniß aus, daß er Dich über

Bischöfen von Novara und von Metz genannte (ZWgiäus Rilonsis scheint nichtnachgewiesen werden zu können: Professor Simonsfcld verdanke ich den Auf-schluß, daß Bischof Geraldus von Sisteron, 1110 bis 1124, in Forcalquierresidirtc und Chevalier, Repertoire — Dopo-Lidliograpdio —, I, 1144, eine Ver-weisung auf Raffins — II, 2497 — enthält, was vielleicht mit Rilonsis zu-fammenhüngt) an der Existenz einer echten Vorlage gleichen oder ähnlichenDatums — VIII. Ick. April ... in ipso ckio Rascds — keinen Zweifel gestatten.Die Osterseier zu Worms erwähnen ausdrücklich die Annalss katdordrunnon-

0 Das geht aus 8t. 3095 hervor. Gottfried's Abstammung ist durchdie Stammtafel bei Chr. Fr. Stalin, Wirtembergische Geschichte, II, 367(vergl. die Regesten, 377—379), beleuchtet; vcrgl. über Adalbert's II. Tod Bd. V,S. 70 (Giesebrecht, III, 848, weist darauf hin, daß sich Gottfried durch dieAbstammung seiner Mutter Wiltrud, Tochter — nicht Schwester — HerzogGottfried's des Bärtigen — vergl. Bd. I, S. 489 u. 3 —, für die lothringischePfalzgrafschaft eignete). Gottfried heißt in der Ristoria IVolkoruin VVoin-gartousis, o. 20, Llotolrickus ckitissimus Palatinos cko IlaUvo (88. XXI, 465).Vergl. auch später zu 1116 bei n. 12. Giesebrecht, III, 855, äußert, dieBewegung unter den lothringischen Großen gegen Heinrich V. 1114 fei viel-leicht auch durch diese Ernennung eines fremden Grafen zur Pfalzgrafenwürdegenährt worden. — Die undatirte Urkunde 8t. 3218, für Rurüaickus, vsns-ranckus abbas äo Rrpdsslort (vom Kloster St. Peter und Paul in Erfurt),über die Restitution von äuo mansus in Rödingen a Palatino eomits docko-lriäo prsnoiniaato inonastorio ao lratribus idiclom Ooo lamulantibus insnstsusurpati, muß, eben weil sie Gottfried als Pfalzgrafen nennt, nach Mürz 1113angefeht werden.