verlangte etwas Ruhiges in dem Benehmen und Tem-perament des Weibes, das er lieben sollte, undTheresa wußte kaum, was Ruhe scp. Mochte sic nunmit ihren Kindern spiele» (und sic hatte zwei sehrliebenswürdige, das ältere sechs Jahre alt), oder ihrenruhigen, nachdenklichen Gemahl necke», oder Verseans dem Stegreif dichten, oder Melodien, die sic niebis zum Ende führte, auf der Guitarre oder demKlavier klimpern — oder auf dem Sec spazieren fahren— kurz, in welcher Beschäftigung immer sie sich alsdie Cpnthia der Minute offenbarte, immer war siemunter und beweglich — nie übler Laune, nie wußtesie von einer Sorge, von einem Kreuz im Leben —nie regte sich in ihr ein Schmerz, außer wenn ihresBruders zarte Gesundheit oder krankhafte Stimmungihre sonnige Atmosphäre verdüsterte. Auch dann er-hob sich die sanguinische Elasticität ihres Geistes undTemperaments rasch wieder aus der Niedergeschlagen-heit — und sic beredete sich selbst: Castruccio würdevon Jahr zu Jahr kräftiger werden und zu einem be-rühmten und glücklichen Mann hcraurcifen. Castruccioselbst lebte — wie es romantische Poctastcr nennen —„das Leben eines Dichters." Er sah gern, wie dieSonne über den fernen Alpen aufging, oder wie dermitternächtliche Mond auf dem See schlief. Er ver-brachte den halben Tag und oft die halbe Nacht miteinsamem Hcrnmschwärmen, an seinen luftigen VersenWebend, oder seinen düster» Träumereien uachhängcnd,und er meinte: die Einsamkeit mache den eigentlichen
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