97
verlangte er sehr der Spazierfahrt ein Ende zu machen
— er sehnte sich nach Haus zu kommen, und über dieBewunderung, die er erregt hatte, nachzudcnkcn. Aberer ließ seine Poesicen Maltravcrs zurück, stieg bei denTrümmern von der Villa des Plinius ans Land undwar bald seinem Gesellschafter aus dem Gesicht.
Maltravers las diesen Abend aufmerksam in denGedichten. Seine erste Ansicht darüber bestätigte sich.Der junge Mann dichtete ohne allen Fonds von Wissenund Kenntniß. Er hatte nie die Leidenschaften em-pfunden, die er malte, war nie in den von ihm ge-schilderten Situationen gewesen. Er besaß keine Ori-ginalität, denn er besaß keine Erfahrung — seineVerse waren technische Meisterstücke — weiter nichts!
— sie konnten ihn wohl täuschen, denn sie mußtenseinem Ohr schmeicheln; und Taffo's silberner Wortfallklang nicht musikalischer, als die wohllautenden StanzenCastruccio Cäsarini's.
Die Dnrchlcsnng dieser Gedichte und sei» Gesprächmit dem Dichter versetzte Maltravcrs ans einige Zeitin ein tiefes, ernstes Nachsinnen. „Dieser arme CL-sarini mag mir selbst auch als eine Warnung dienen,"dachte er. „Besser Holz hauen und Wasser tragen, alssich mit Leib und Seele einer Kunst widmen, in welchersich ansznzcichncn man nicht die Fähigkeit hat . . . csheißt nichts Anderes, als die gesunden Güter desLebens wegwcrfen für einen kranken Traum/ —schlimmer als die Roscnkrcuzcr, heißt cs so viel, alsalle menschliche Schönheit anfopfern dem Lächeln einer