10
machen. Und da saß Frau von St. Vcntadour, einwenig beiseite von den Tanzenden, nnd der schweig-same englische Dandy Lord Taunton, prächtig großund auserlesen gekleidet, stand bolzgcradc hinter ihremStuhl; nnd der sentimentale deutsche Baron vonSchömberg, mit Orden bedeckt, an Backenbart undPerücke jedes Haar aufs pünktlichste geschniegelt, seufztezu ihrer Linke», und der französische Minister, schlau,schmeichlerisch und beredt saß auf dem Stuhl zu ihrerRechte», und rings auf allen Seiten drängten undbückten sich und komplimentirtcn eine Menge diploma-tischer Sekretäre und italienischer Fürsten, deren Bankbeim Spieltisch ist, deren Vermögen ihre Gallcriensind nnd die ein Gemälde verkaufen, wie englischevornehme Herren einen Wald umhaucn lassen, wenndie Karten sich unglücklich aulasscn. Die reizende St.Vcntadour! sic hatte Anziehungskräfte für Alle! Lä-cheln für den Schweigsamen, Geplauder für den Mun-tern, Politik für den Franzose», Poesie für den Deut-schen — die Beredsamkeit der Aumuth und Liebens-würdigkeit für Alle! Sic hatte ihren schönsten Tag —der allcrlcichtcstc Anflug von Roth gab ihrer durch-sichtigen Farbe Lebhaftigkeit und erhob die großen,dunkeln, funkelnden Augen (mit einem verborgenenAusdruck von Sanftheit unter dem Feuer), die manselten, außer bei Französinnen sicht, und weit ver-schieden von dem geistlosen schmachtenden Ausdruck derSpanierinnen, oder dem majestätischen, zuversichtlichenTrotz des italienischen Blicks. Ihr Kleid von schwarzem