Druckschrift 
4 (1841)
Entstehung
Seite
84
Einzelbild herunterladen
 

84

und sehr reich war, machten ihre Talente sie znm Gegen-stand eines lebhafteren Interesses, als ohne jenes der Fallgewesen seyn dürfte. Ihre Poesie zeugte von viel Gefühlund Gemüth. Wenn die Poesie ein Spiegel des Herzensist, so durfte man wohl annehmeu, daß sie ein Wesen seyzu tiefer und achter Liede bestimmt. Demungeachtet, dasie, wie die Mädchen in Frankreich gar hänsig, nicht auseigner Neigung, sondern ihren Eltern zu gefallen heira-thete, machte sie eine marinxe äe oonvannnoe. Mon-sieur de Merville war ein nüchterner verständiger Mann,über das mittlere Alter hinaus. Da er kein Freund vonder Poesie war und durchaus nicht wünschte, eine eigent-liche erklärte Schriftstellerin zur Frau zu haben, hatte erwährend ihrer Ehe, welche vier Jahre dauerte, seinerGattin liaison mit Apollo nicht begünstigt. Aber ihr Ge-müth, lebhaft und feurig, verzehrte sich dafür in innererThätigkeit und Ungeduld. Mit vierundzwanztg Jahrenwurde sie Wittwe, mit einem Einkommen, das selbst inEngland für eine einzelne Frau groß heißen konnte, unddas in Paris für ein ansehnliches Vermögen galt. Madamede Merville jedoch war, obgleich eine Dame von feinemGeschmack, weder prachtliebend noch selbstsüchtig; sie hattekeine Kinder, und sie lebte still in einer Wohnung, diezwar schön, aber doch nur eben genügend war für dieEinrichtung, die ihre Dienerschaft erheischte, da sie, wieauf dem Continent gewöhnlich, nicht den kostbaren Auf-wand machte, ein ganzes Haus für sich zu haben. Siewidmete wenigstens die Hälfte ihres Einkommens, das