15.1
-Und in diesem Schreckenskampfe widerstrei-tender Gefühle — im Kampfe jnngfränlichen Stolzesmit Mädchenzartstnn, im Kampfe des Verzeihens mit derRache, im Kampfe hochherziger Regungen mit irrwahn-tollen Grundsätzen — in dieser Angst, durch die EineSchanerhosfnung, bewehklagt, und in folternder Erinne-rung behalten zu werden — in diesem Schreckenskampf,o unglückselige Julie! stürztest Du Dich in DeinFluthen-grab! Was muß während der wenigen Momente, die Duauf dem Brückenstege znbrachtest, Fürchterliches in Dei-ner Seele vvrgegangen seyn — als Du hinunterblicktestauf die dunkeln Wasser — als Du zaudertest — zagtest-— bebtest— fürchtetest — und dennoch entschlossen warst!
Und ich war Dir nahe in jenen Momenten, undwußte nicht, daß ich es war! Ich hätte Dich retten kön-nen, und rettete Dich nicht! Ich hätte Dich vor derSchauerthat bewahren können, und bewahrte Dich nicht!O Julie, Julie! fürchterlich ist die Rache, die Du anmir nahmst — schauerlich ist die Erinnerung, in die Dumich bis über Tod und Grab hinaus versenktest! Fortanfrag' ich nicht mehr nach Welt und Menschen und mensch-licher Theilnahme und Liebeöregung. — Allein stehe ichhienieden, und der Teufel selbst scheut sich, mich hier aufErden zum Genossen zu haben!