131
Besuchszimmers. Die gaffende Magd wollte mit unseintreten, ich aber flüsterte ihr zu, draußen zu bleiben.Julie schien dies nicht zu bemerken, oder doch nicht zubeachten. Vielleicht fühlte sie sich in diesem Zimmersicher, mindestens blickte sie wie befriedigt umher, undvon ihrem Gesichte, obwohl es sich sehr blaß wies, warjeder Zug von Furcht verschwunden.
Das Zimmer war kalt, und sah, Gott weiß es,trostlos genug aus, denn alles Geräth darin war überund durch einander gestellt. Julie gestattete, daß ich ihreHand faßte — ja, Julie lehnte ihre Wange an meinen-Busen, und gestand mir, daß sie sich sehr, sehr unglück-lich gefühlt hatte. Ich küßte ihr die Thränen weg, undmit all der Gewalt, die die Liebe uns über den geliebtenGegenstand gibt, mit jenem sanften Despotismus, derden Selbstwillen hinwegschmilzt, bewarb ich mich fernerum Julie, und flehete sie an, uns gegenseitig wiederAlles und Alles zu seyn. Aber Julie besaß Tngendstärkegenug, sich deß zu weigern, und Ihre offene Einfachheithatte mich beinahe zu meinem besseren Engel wieder zu-rückgewendet, als ich Jenny leise kreischen, und dann«ine zürnende Stimme laut werden hörte. Die Thüröffnete sich, und herein trat ein Frauenzimmer, die, wieich wohl einsah, keine Andere, als Juliens Schwesterseyn konnte. Welch einen Anblick gab sie ab, die gute
Dame in ihrer weißen Nachthaube und ihrer-Doch
ach! die Geschichte ist zu ernsthaft, als daß sie solchenScherz vertragen könnte. Aber man bemerke nur, wie. 9 '