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Charakterzug der Frauen, daß sie so eifrig danach trach-ten, diejenige zu sehen, die ein Mann liebt, der ihnenselber nicht gleichgültig ist, und daß ihre Schätzung sol-chen Mannes in eben dem Maße steigt oder sinkt, je nach-dem ihnen der Gegenstand seiner Liebe bewundernswürdigoder unbedeutend erscheint,
„So meinen Sie," sagte Saville zu Fanny, als ereines Abends bei ihr aß, — „so meinen Sie, die Weltsagte nicht zu viel zum Lobe der Lady Erpingham ?"
„Nein; denn sie ist, was Medca gewesen seyn würde,wenn sie schuldlos gewesen wäre — sie ist reich an Ma-jestät, und doch auch reich an Milde, Ihr Antlitz ist daseiner Königin von vor dreitausend Jahren, Ich hätte sieanbcten können,"
„Fanny, Sie sind ein sonderbares Geschöpf, Mirkommt's vor, als hätten sie einen Anflug von Poesie."
„Nur wer sich als Poet versucht hat, kann meine»Charakter richtig ansfaffen," sagte Fanny naiv, jedoch mitWahrheit,
„Bei alldem, hübsche Kleine, hast Du nicht viel Idea-les an Dir."
„Ganz recht, weil ich so frühzeitig mir selber über-lassen ward, daß ich mich gezwungen sah, Unabhängigkeitzu erringen. Ich erkannte bald, daß wenn ich meinem Her-zen hiehin und dorthin, wohin es mich leiten mögte, fol-gen würde, ich das Spiel eines jeden Hauches, das Opfereines jeden Zufalles zu sehn hätte; ich wäre dann eineRomannärrin geworden, würde von einem Lächeln gelebt