Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
Seite
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gestattete es sich gar nicht ihn zu lieben: sie war zn rei-nen Herzens, nin nicht vor dem blaßen Gedanken daranznrückznschrecken: allein ihr Gemnth war nicht so gere-gelt, nicht in so streng heiligen Grundsätzen anferzogen,daß sie sich die Wonne versagt hätte, der Erinne-rung zn leben. Von seiner dermaligen Lebensweisevernahm sic wenig. Man verfolgte seine Spur von Stadtzu Stadt, von Strand zn Strande', von dem hoffartigenAdel Wiens bis zn den düstern Altären in Memphis, undnirgend ließ ihn das Gerücht lange verweilen. Dies »m-herstreifende unstäte Leben, wodurch Eonstanze im Ge-heim ihrer Macht über ihn gewiß ward, verlieh seinemBilde die zarteste Färbung, so daß es sie mit bittererRene erfüllte. Ach! wo lebte Wohl ans Erden Ein Mensch,den wir noch beneiden mögten, nachdem wir in seinemHerzen lasen?

Die Schauspielerin hatte gelegentlich von SavilleGodolphins Liebe zn der schonen Gräfin vernommen. Siesehnte sich danach, Constanze zn sehen, und als sic einesAbends vernahm, diese befände sich dicht vor ihr in derLoge des Lord Kämmerers, konnte sie kaum sich in hin-länglicher Fassung erhalten, um mit gewohntem siegrei-chem Erfolge ihre Nolle zn Ende zn spielen.

Sie ward mächtig von dem hohen und edlen Ausdruckdes Gesichts und der Gestalt Lady Erpinghams ergriffen,und ihre Hochschätzung für Gsdolphin stieg in Erwägung,wie mit so großem Rechte er einem so schönen Weibe ge-huldigt hatte. Es ist, beiläufig bemerkt, doch ein seltsamer