Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
Seite
75
Einzelbild herunterladen
 

78

haben, und endlich Wahl gar in einem Feldgraben gestor-ben seyn. So schloß ich denn mit meinen Gefühlen ab,und hemmte und beschränkte sic bis auf einen gewissenKreis. Ein Glück für mich, daß ich dies thai! Was würdeaus mir geworden seyn, wenn ich vor Jahren, als ichGodolphin liebte, ihm die ganze Welt meines Herzensaufgclastet hätte!"

„Nun, er ist cdclsinnig, er würde Dich nicht ver-lassen haben."

„Ich aber würde ihm Neberdrnß zngcwendct haben,"entgegnete Fanny, „und das würde für mich mehr alsgenug gewesen seyn. Aber ich liebte ihn herzlich, und rein— lächeln Sie immerhin! — und uneigennützig. Ichward in meinem Vorsatze, Keinen zn heftig zn lieben,eben dadurch bestärkt, daß ich gewahrte, Godolphinfühlte Neigung, hegte aber keine Sympathie fürmich. Seine Natur war höchst verschieden von der «wi-lligen! ich bin allweg ein Weib, und Godolphin seufztebeständig nach einer Göttin."

„Ich mögtc Ihre Eharakteristik zn Papiere gebrachtwissen, Fanny. Ihr Charakter ist originell, wiewohl nichthervorstechend. Ich fand ihn noch in keinem Buche ge-schildert, doch ist er gänzlich Ihrem Geschlechts und derWelt eigen."

„Wenige würden mich richtig schildern," versetzte dieSchauspielerin; „denn sie würden Gefahr laufen, entwe-der zn viel oder zu wenig aus mir zn machen. Inzwischen