66
vertrödeln Gcist, Seele und Charakter an die kläglichstenLeichtfertigkeiten — denn Leichtfertigkeiten sind das Ein-zige, wozu sic, nm nicht zn erstarren, sich flüchten kön-nen. Ja i cs tastet ans dem Geschlechts ein seltsamerFlnch, der von Männern nicht berücksichtigt wird ! Ein-mal vermählt, hat das hochstrebcnde Weib keine Renn-bahn mehr für ihren Ehrgeiz; ihr Ehrgeiz zernagt ihrdie Zufriedenheit, ohne daß diese irgendwie Ersatznah-rung finden könnte.
Dies war Constanzens besonderes Mißgeschick. Ihrhoher, ruheloser, strebender Gcist sehnte sich nach einerSphäre der Thätigkeit, und sah ringsum nichts als Ball-säle und Putzgcmächcr. Hoffnung nährte Constanze frei-lich; und diese Hoffnung war Quelle ihrer Pläne undEntwürfe, Quelle ihrer Sorgfalt gegen scheinbare Klein-lichkeiten, und ihres Bergendens ihrer Seclenkräftc anscheinbare Leichtfertigkeiten. Diese Hoffnung, dieser Zweckbestand darin, nicht nur die Partei, die ihren Vaterverlassen hatte, sonder» auch die Macht desjenigen Stan-des zn zermalmen, dem sie selber angehörte, und in densie nur eingerretcn war, nm ihn zn demüthigen. DiesHoffen aber wies sich als eine ferne, kalte Vision. Con-stanzewar zu verständig, nm sich eine frühzeitige nndwirk-same Ilmwälznng unseres gesellschaftlichen Zustandes zuträumen, und zu reich an Geistesgaben, nm das Geschöpfeiner einzigen Idee zn sehn, llebcrsättignng — die allge-meine Plage der Vornehmen, — war es, wovon sie Tagnach Tag beschlichen ward. Die Kräfte in ihr lagen er-