Druckschrift 
2 (1840)
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

37

des Lebens, weil sie dieses zu identisch darsiellen. Ich sageganz das Gcgcnthcil! Die Romane sind zu schal, zuoberflächlich! Ihr ewiges Geschwätz non Liebe, und dasAufhebens, das sic davon machen, zeigt deutlich, wie wenigromantisches in ihnen steckt; denn sie sagen nichts neues;die wahre Romantik aber hebt stets neue Gedanke» hervor.Hab' ich nicht Recht, Perey? Glaube mir, wie weltlüsterndaö Leben sehn mag, enthält es dennoch eine Fülle NonRomantik. Jeder und jede non uns (ich ärmste selbst nichtausgenommen) hat seine Gedanken, seine Phantasten undseine Wünsche, an die hinanznreichcn die Bücher Niel zuverdummt und abgedroschen sind. Das Herz ist in sichselber ein Roman."

„Ein philosophischer Roman, meine Fanny, voll nonMysterien, falsche» Begriffen und Spitzfindigkeiten, diesich mit tiefsinnigeren Stellen vermengen. Aber wiewardst Du so verständig?"

„Schönen Dank für's Eomplimcnt," antwortete dieSchauspielerin mit neckischer Verbeugung. „Die Sacheist die, daß ich — was Du geziemend nicht bemerktest —älter geworden bin, seitdem wir »ns trennten. Ich reflec-tire jetzt, wo ich damals cmpsand. Zudem füllt dasTheater uns den Kopf mit einer Art non Halbwcishcir an,und ertheilt uns jene seltsame Mischung Non verschmitzterErfahrung und romantischen Begriffen, die ganz eigent-lich die wirkliche Darstellung non nenn Menschenherzenunter zehn sind. Da wir non Büchern sprechen, meinlieber Gil Blas, so mögte ich, daß einer einen Roman,