Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
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Du, ein Weib und Kind, nicht geschaffen bist. Lcila,mit Zärtlichkeit bist Du genährt, mit Liebe unterrichtetworden. Hart und lieblos mag ich Dir geschienenhaben, aber die besten Tropfen meines Herzens halt'ich hcrgcgcbcn, um von Deinen inngcn Zähren den leise-sten Schmerz abZuwcndcn. Nein, hör' mich ruhig an.Daß Du einst würdig sehest Deines Volkes, und DeineStunden nicht verrinnen mögen i» fühlloscr, matterTrägheit, ist Dir Unterricht in solchem Wissen gegebenworden, das Deinem Geschlecht nur selten zu Thcilwird. Dein sind nicht die üppigen Künste der mauri-schen Mädchen, Dein nicht ihre buhlerischen Lieder undihre Tänze unzüchtiger Lust; Deinen zarten Gliedernward blos diejenige Stellung gelehrt, welche die Naturfür die Verehrung Gottes festgesetzt hat, und derWohllaut Deiner Stimme ward den Gesängen Deinesgefallenen Landes angcpaßt, die da trauern ob derErinnerung seiner Leiden, die beseelt sind von denNamen seiner Helden, und heilig durch die Weihe seinesGebets. Diese Schriftrollcn und die Lehren unsererPropheten haben Dir genug von unserer Weisheit undunserer Geschichte mitgcthcilt, um Deinen Geist cmpor-zuhcbcn, Deinem Herzen Empfindung für eine heiligeSache zuzuströmen. Hörst Du mich, Lcila?"

Verwirrt und erstaunt, denn noch nie hatte ihrVater in solchem Ton zu ihr gesprochen, antworteteLcila mit einem Ernst in den Zügen, der dem Fragen-den zu gefallen schien. Mit veränderter, hohler, feier-licher Stimme nahm er von Neuem das Wort.