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Gothische Kirchen
mit den berühmten rheinischen Denkmalen dieses Stiles nicht messenkönnen. Die Anlage des Münsters von Ulm, einer der räumlich grös-sesten deutschen Kirchen, fällt bedeutend spät, und die Ausführungist nicht aus einem Gusse; dagegen besitzt Bayern zwar in dem Domevon ßegensburg, einem der schönsten unseres Vaterlandes, allerdingsdas erste grössere Gebäude in Süddeutschland, welches von Grundaus neu im gothischen Stile ausgeführt wurde, allein schon der Grund-plan ist hier ein beschränkter: die Seitenschiffe bilden keinen Umgangum den Chor, der Kapellenkranz fehlt, und das Querschiff tritt nichtüber die Breite des Langhauses hervor. Ausserdem geht durch dasganze Gebäude ein Gemisch alterthümlich roher und edler Formen,und letztere finden sich wiederum theils in überreicher Entwickelung,thcils geradezu ausgeartet, und alles dieses aus derselben Zeit und oftsogar an einem und demselben Bautheile: wie sich Aehnliches bereitsan einigen älteren frühgothischen Kirchen derselben Stadt bemerklichmacht, wo neben den noch nicht völlig überwundenen romanischenRcininiscenz.cn schon die Keime zum Verderben des Gothischen gleich-zeitig ersichtlich sind. Ueberhaupt repräsentiren die wenigen, vonden Bettelorden ausgegangenen frühgothischen Denkmale in diesensüddeutschen Gegenden lediglich den reducirten Stil (oben S. 481),und in den meisten spätgothischen Kirchen findet sich die immerhinnüchterne Anwendung gleich hoher Schiffe: in Schwaben mit Aus-bildung eigenthümlicher Motive besonders in der Formation derSchiff-pfeiler und verbunden mit dem Streben nach reich decorativer Ent-faltung, während in Bayern zwar die inneren Räumlichkeiten durchKühnheit der Verhältnisse und machtvolle Disposition imponiren,aber im Einzelnen trocken und starr erscheinen. Die kleineren schwä-bischen Kirchen begnügen sich zuweilen mit dem geradlinigen Chor-schluss und im Schiffe mit einer Holzdecke. Sporadisch erscheint inSchwaben und Bayern der Backsteinbau; vergl. oben S. 27 und 490.
Vergl. Schnaase, Kunstgesch. 5, 5S0—5S9 ; 0, 295—300. —Kugler,Gesch. der Baukunst 3, 293—303; 33S—345 ; 317—301. — Räbke, Gesell,der Architektur. S. 518 ff.
Altensberg ' unweit Regensburg. Karmeliterkirche , basilikal, nach1398; verdorben, llie alte Kapelle an der Nordseite des Chores mitschmalem Fenstern.
Aillersberg bei Regensburg. FnnschifFige flach gedeckte Kirche mitschmälerem gewölbten Chor; frfthgothisch.
Alpirshadl bei Freudenstadt. Spätgothisclier Kreuzgang und Oapitel-haus um 14 00—14 82; andere Klostergebäude aus dem XVI. Jahrhundert.