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1 (1868)
Entstehung
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306
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Romanischer

An der Gliederung der Thürdeckbögen (wie auch häufig an denrund profilirten Gesimsgliedem im Innern und am Aeusseren der Ge-bäude) kehren gewisse dem Romanismus eigenthümliche Ornamentgat-tungen, wenn auch verschiedentlich variirt, doch nach demselben Typusoft wieder, z. B. das Tau (s. in Fig. 153), das Zickzack, die Rauten, dieSterne, die Nagelköpfe (Diamanten), die Rollen (Pfeifenstiele), die Zin-nen u. a. m. Vergl. Fig. 151.

Dem architektonischen Schmucke der Portale gesellt sich späternicht bloss der bildnerische, indem Statuen zwischen den Säulen undPfeilerecken der Wandung eingereiht werden, sondern es kommt auchoft die Pracht farbiger Bemalung und Vergoldung hinzu. Das pracht-vollste spätromanische Portal ist die goldene Pforte des Freiberger Domes.Vergl. Puttrich, Denkmale der Baukunstl. Serie Freiberg. — Förster,Denkmale. Bildnerei. Bd. 1 zu S. 4 ff.

74. Die Thürme, welche der romanische Baustil zuerst in Ver-bindung mit dem Kirchengebäude selbst aufführte, fehlen in derFrühzeit nicht selten, erscheinen dann von runder, später von vier-eckiger Grundform, durch Gurtgesimse und den Bogenfries in mehrereGeschosse gesondert und im Oberstockwerke in das Achteck um-setzend. Die Thurmfenster sind in der Kegel durch ein Mittelsäulchenin zwei Oeffnungen getheilt (Fig. 155), während anderweitig auch eineDreitheilung durch zwei Mittelsäulen beliebt wird (Fig. 156), und diegewöhnlichen einfachen Rundbogenöffnungen ebenfalls Vorkommen,lieber die Thürme vergl. auch oben § 22 e. f. S. 59 ff.

Die Theilung der Fenster durch eine Mittelsäule scheint orientali-schen Ursprungs zu sein und kommt schon an der Kuppel von S. Vitalein Ravenna vor (oben S. 283 in Fig. 120), hat aber an dem AachenerKuppelbau (oben S. 284 Fig. 121) keine Nachahmung gefunden. Dasälteste sichere Beispiel in Deutschland findet sich an der das AachenerVorbild befolgenden Kuppel des Münsters zu Essen (Fig. 155) aus derzweiten Hälfte des X. Jahrhunderts, wo durch die in dem Blendbogen-felde angebrachte Rundöffnung bereits eine Gruppirung und Massenthei-lung vorgedeutet ist, die erst am Schlüsse der romanischen Periode wiederaufgenommen wurde und deren Resultate sich erst im gothischen Stilevollständig entwickelten. Die Fensterblenden, die in Essen tief in derMauer liegen, wurden später flacher eingelegt, wesshalb man einen überdem Capital der zurückstehenden Theilungssäule sich nach vorn undhinten weit auskragenden charakteristischen Kämpfer anzuordnen pflegte,um in dieser Weise die volle Mauerstärke wieder zu gewinnen; vergl.den Durchschnitt in Fig. 156. — Aehnliche Theilungen grösserer Bogen-öffnungen durch Mittelsäulchen finden sich auch an den Emporengaleriender Spätzeit im wirksamen Gegensätze gegen die ungetheilten Scheidbögender die Schiffe Rennenden Hauptarkaden, und ebenfalls in den Oeffnungs-bögen der Kreuzgänge mit höchst malerischer Wirkung.