Druckschrift 
1 (1868)
Entstehung
Seite
122
Einzelbild herunterladen
 

122

Standleuchter aus Stein.

innert durch seine Thürme und seine Apostelstatuen noch an den altenTypus ') : es ist ein aus Eisen geschmiedeter sechsseitiger Doppelreifenmit einem aus Holz geschnitzten Marienbilde unter einem Baldachin in derMitte. Durch das Marienbild in der Mitte charakterisirt sich diese Kroneals ein sogen. Muttergottesleuchter, deren sich noch mehrere ausdem XV. und XVI. Jahrh. anführen lassen (in Kempen 1 2 ), Calcar 3 ), Er-kelenz 1517 4 5 6 ), Ratzeburg ")), die einander darin gleichen, dass sich voneinem, insgemein sechseckigen hölzernen Mittelstück rings herum die ausEisen geschmiedeten, mit Blattwerk besetzten Lichtarme herabschwin-gen, und dass eine geschnitzte und bemalte Statue der Maria sich überdem Lichtkranze erhebt. Die Krone in Kempen ist 11 F. hoch und hat7 F. im Durchmesser. Das reizende Motiv der die Leuchter haltendengeschnitzten Engelstatuetten wiederholt sich auch bei gothischen Stand-leuchtern. — Uebereinstimmend in der Technik ist auch der grosse, eineganz mit geschmiedetem und vergoldetem Laubwerk bedeckte Kuppelbildende spätgothische Kronleuchter im Dom zu Merseburg, mit den be-malten Schnitzbildern der beiden Bisthums-Patrone in der Mitte. Auchin den Domen zu Brandenburg und Magdeburg finden sich Lichterkronenaus Schmiedeeisen. — Ausser solchen aus Holz und Eisen gebildetenkommen auch aus Bronze oder Messing gegossene gothische Kronleuchtervor ohne figürlichen Schmuck aus einer Vereinigung von stilgemässenarchitektonischen und vegetabilischen Elementen zusammengesetzt undmit einer Doppelreihe von Lichthaltern versehen. Ein ausgezeichnetesWerk dieser Art ist der dem XIV. oder XV. Jahrh. entstammende, ausfi'J einzelnen Stücken bestehende Bronzeleuchter in der Klosterkirche zuSeckau ß ) ; der sechseckige Kern endet nach unten ■ consolenartig (en cul-de-lampe) und steigt oben in einen mit Strebepfeilern und Fialen besetztenund mit einer Kreuzblume gekrönten Thurm auf; die Mitte bildet eindurchbrochener Kranz, dessen gezinnter Kamm noch an das alte Motivder Stadtmauer erinnert. Besonders anmuthig ist die Schwingung der mitEichenlaub besetzten Lichtarme, aus deren oberen Blattknospen undFruchtkelchen die Kerzenhalter hervorstehen. Verwandte Arbeiten sinddie Messingkronleuchter in der kathol. Kirche zu Dortmund, im Dom zuMünster und in der Kirche zu Fröndenberg, wo jedoch dem Maasswerk-und Blätterschmuck kleine gegossene Figürchen hinzutreten. — Im Domzu Lübeck ein aus Kupfer geschmiedeter, bemalter Kronleuchter. 7 )

Grosse Standleuchter aus Stein erscheinen als besondere Selten-heit. Sie zeigen den Typus der antiken Candelaber : säulenartig mit einemmittleren Knauf am Schafte und mit einem den Stachel zur Aufnahme

1) Nach einer Mittheilung des Herrn Ferd. v. Quast befindet sich auch in derMarienkirche zu Halberstadt ein Radleuchter.

2) Abbild, bei aus’m Weertha, a. O. Taf. XXII. 5.

3) Abbild, ebd. Bd. I. Taf. XVI. 1.

4) Vgl. Organ für christl. Kunst 1801 S. 227.

5) Abbild, bei Statz und Ungewitter, Goth. Musterbuch Taf. 216.

6) Abbild, von Heisse in den Mittheil. derk. k. Centralcommission etc. (1859)4, 139.

7) Abbild, bei Statz und Unge w i t ter a. a. 0. Taf. 60.