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Gussmauern.
Wölbsteine.
mittelalterlichen Backsteinbauten nicht befolgt, und nur erst an späterengothischen Gebäuden kommen an manchen Orten (in Brandenburg, Stendal,Tangermünde etc.) Ziegel mit Stempeln vor, deren Zweck und Bedeutungindess nicht bekannt ist. ')
Fig. 8. Ziegelstempel (nach v. Minutoli).
Gussmauer werk (von Vitruv 2, 8 Emplecton, und in den longo-bardischen Baugesetzen des VIII. Jahrh. Massa genannt 1 2 )) kommt, wiebei den Römern, auch im ganzen Mittelalter sehr häufig vor : die beidenAussenflächen wurden aus Stein oder Ziegeln schichtweise aufgemauert, derinnere hohle Raum ward mit kleinen Steinen und vielem Mörtel ohne regel-mässige Schichtung ausgefüllt und das Ganze dann gewöhnlich von innenund aussen dick mit Mörtel übergangen. — Zur Ausführung der Gewölbeverwendete man zwar gern natürliche oder gebrannte Steine von geringerSchwere 3 4 ), zuweilen Töpfe, indess kam auch hier über kleineren Räumenhin und wieder das schwerste Material in Anwendung: das untere Thurm-geschoss des Havelberger Homes z. B. zeigt ein Gewölbe aus behauenemGranit und im Thurm der Dorfkirche zu Gumtow besteht das 6 Z. dickeTonnengewölbe aus lauter abgerundeten Geschieben, wie man dieselben ebenauf den Feldern vorgefunden hatte. — Auch war im Mittelalter ein inneuerer Zeit wieder entdecktes Verfahren bekannt, die Kreuzgewölbe lediglichmit Untcrrüstung der Gratbögen fast ganz aus freier Hand einzuwölben .*)
1) Abbild, von mittelalterl. Ziegelstempeln bei v. Minutoli a. a. O. S. 14 u.vielfältig bei Adler, a. a. O. S. 14. 59 ff.
2) »Simassasfundederit«', vergl. lteuinont, A. v., im Kunstbl. 1847. S. 118.
3) Beim Bau der Kuppel der Sophienkirche zu Constantinopel unter KaiserJustinian (532—537) durch Anthemius von Tralles (in Lydien) und Isidorus vonMiletus (in Jonien) beschaffte man von der Insel lthodus aus einer weissen Erde ge-brannte Steine von gleichem Gewicht und gleicher Grösse, die mindestens fünfmalleichter waren als die gewöhnlichen Mauersteine und auf dem Wasser schwammen.Jeder Stein wurde mit folgender Inschrift gestempelt: » Gott ist mitten in ihr, undsie wird nicht erschüttert werden. Gott wird sie schirmen von einem Morgen zumandern«. Dasselbe Verfahren wurde bei der Erneuerung der Kuppel beobachtet:nach jeder zwölften Schicht sprach man öffentliche Gebete für die Festigkeit derKirche (während der Mörtel ab trocknete); in je einen Stein jeder zwölften Schichtschloss man in ein ausgehöhltes Loch Reliquien verschiedener Heiligen ein. (Vergl.Allg. Pr. Zeit. 1843. No. 02. S. 401.) — Reliquien liess auch Otto der Grosse in dieSiiulencapitäle des 1207 abgebrannten Magdeburger Domes einlegen (Otte, Gesell,der deutschen Baukunst S. IIS), und die gegenwärtig leeren Oeffnungen über denSäulen in der Mauer des hohen Chores des jetzigen Domes scheinen gleichen Zweckgehabt zu haben. Die fromme Absicht ging wohl dahin, durch diese Ileiligtliümerdas Gebäude vor Schaden und Gefahr zu schützen.
4) v. l.assaulx in Crelle’s Journal f. d. Baukunst. I. 4, 317 ff.