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Baulinie,
Verhältnisse, beobachtet z. B. bei den Domen von Basel und Meissen,welche sich von WSW nach ON O erstrecken; auch die Martinikirche zuBraunschweig und die Kirche von Arnual haben nordöstliche Lage,wogegen der Dom und die Liebfrauenkirche in Trier mit dem Altarendeum etwa 20° nach Süden abweichen. Andere zahlreiche Beispiele vonbeiderlei Abweichungen lassen sich auf dem Plane jeder beliebigen altenund grösseren Stadt mit leichter Mühe auffinden, und da die Richtungs-linie der Kirchen, wie in Deutschland so auch in Frankreich und England,den ganzen Bogen auszufüllen scheint, den die Sonne vom kürzesten biszum längsten Tage am Horizonte beschreibt, so liegt die Vermuthungnahe, dass man sich bei Bestimmung der Baulinie oft lediglich nach demAufgangspunkte der Sonne am Tage der Grundsteinlegung gerichtethaben mag. Im Spätmittelalter bediente man sich allerdings des Com-passes 1 ), bequemtc sich indess, was namentlich innerhalb der Städte un-umgänglich nöthig war, dabei der Localität an, doch niemals in demMaasse, dass die Längenaxe der Kirche geradezu von Norden nach Südenfiel, was zwar in Rom hei Santa Prasscde (mit dem Altar in Norden) undhei San Giorgio in Velabro (mit dem Altar in Süden) aus unbekanntenUrsachen der Fall ist, aber in Deutschland von keinem mittelalterlichen,schon ursprünglich zum gottesdienstlichen Gebrauche bestimmten Ge-bäude nachgewiesen ist, und höchstens hei später als Kirchen benutztenRefectorien etc. (wie bei der sogenannten älteren Kirche in Kloster Eber-bach) vorkommt. — Bei der aus dem XIII. Jahrh. stammenden Schloss-kapelle in Viandcn erscheint die südliche Richtung durch die Terrain-verhältnisse unbedingt geboten.
13. Der Bau begann mit (1er Grundsteinlegung durch den Bischofam Altarende in Osten und schritt von hier nach Westen weiter vor;in dieser technischen Beziehung wird daher die Baulinie als vonOsten nach Westen gehend zu bezeichnen sein.
In dem Baurisse für das Kloster St. Gallen 2 ) vom J. 820 wird dieLängenrichtung der Kirche ausdrücklich bezeichnet » ab Oriente in occi-denlem «, aber das Missverständliche dieses Ausdrucks fällt dadurch hin-weg, dass der Hauptaltar wie gewöhnlich in Osten und die Thürme inWesten angebracht sind. Vcrgl. unten Anmerkung 1 .
Auf Herstellung des Altarhauses musste man für den Zweck desGottesdienstes am ersten bedacht sein, das Entbehrlichere durfte hinaus-geschoben, und die kostspieligen Thürme brauchten erst zuletzt vollendet zuwerden. — Selbstverständlich ist der obige Satz 13. nur für ausgedehntereKirchenbauten von Erheblichkeit. Das sachkundige Auge erkennt z. B.am Dome zu Magdeburg, dessen Osttheil im Jahre I 208 begonnen wurde,an den Merkmalen des Baustyls mit Bestimmtheit, dass der Bau allmäh-
1) L. Lacher in seiner Unterweisung von 1516 (lt eieliensp erg er, Verm.Sehr. S. 130) sagt: » so da wildt ein Khor an das Iloehwerkh anleg wo er stehn sol,der abmerckang, der sotten auf gang , so nimb ein Khumbast, setz den auf ein winckel-maass, rnd lass den magnad auf die niitdaglinie stehn « u. s. w.
2; Keller (Bauriss des Kl. St. (lallen) drückt sich S. 15 des Textes missver-ständlich und S. 2(1 unrichtig hierüber aus, während der Bauriss selbst keinen Zweifelaufkommen lässt.