II. Therapie.
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Volk von tiefer Wirkung sein. Es besteht bereits ein „Münner-bund zur Bekämpfung von Unsittlichkeit". Leider läßt er sichnicht ausschließlich von der Sorge um die sittliche Gesundheitund Reinheit der Menge und namentlich der Zugend leiten,sondern von Erwägungen, welche der Mehrheit des Volkes Vor-urtheile scheinen. Der Männerbund fahndet auf Unglaubenfast noch mehr als auf Unzüchtigkeit. Ein freies Wort gegendie Offenbarung und die Kirche flößt ihm großem Abscheu einals eine Zote. Dieser engherzige Konfessionalismus ist daranschuld, daß sein Wirken weniger segensreich ist, als es seinkönnte. Aber trotzdem können wir uns diesen „Männerbund"zum Vorbild nehmen. Thun wir, was er thut, aber thun wires ohne Muckerei. Hier ist eine große und dankbare Ausgabez. B. für die neue „Gesellschaft für ethische Kultur". Sie mögesich zur freiwilligen Wächterin über die Sittlichkeit des Volkesmachen. Die Pornographen werden natürlich versuchen, sie zu,verspotten. Aber der Hohn wird ihnen bald genug in derKehle stecken bleiben. Ein Verein, dem die Führer und Lehrerdes Volkes, Professoren, Schriftsteller, Abgeordnete, Richter,hohe Beamte angehören, hat die Macht, einen unwiderstehlichenBoycott zu üben. Die „Gesellschaft für ethische Kultur" mögees unternehmen, die künstlerische und schriftstellerische Hervor-bringung auf ihre Züchtigkeit zu lprüfen. Ihre Zusammen-setzung bürgt dafür, daß die Prüfung nicht kleinlich, nichtzimperlich und angenverdreherisch geschehen würde. Ihre Mit-glieder haben Bildung und Geschmack genug, um die Unbe-denklichkeit eines sittlich gesunden Künstlers von der niedrigenSpekulation eines schreibenden Ruffians zu unterscheiden. Wenneine solche Gesellschaft, der gerade im Hinblick auf diese Thätigkeitdie besten Männer des Volkes beitreten würden, nach ernsterUntersuchung und im Bewußtsein schwerer Verantwortlichkeitvon einem Menschen sagen würde: „Er ist ein Verbrecher!"und von einem Werke: „Es ist eine Schande für unser Land !"