Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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475
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I. Prognose.

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Wird es dazu kommen? Nun denn: nein, ich glaube esnicht. Aus einem Grunde, der schwerlich einen Einmand ge-stattet: weil die Menschheit noch nicht an das Ende ihrerEntwickelung gelangt ist, weil die Ueberanstrengung von zweioder drei Geschlechtsaltern ihre ganze Lebenskraft unmöglicherschöpft haben kann. Die Menschheit ist nicht greisenhaft.Sie ist noch jung., und der Jugend ist ein Augenblick der Ueber-anstrengung nicht tödtlich, sie erholt sich von ihr wieder. DieMenschheit gleicht einem Ungeheuern Lavastrom, der breit undtief aus dem Krater eines unablässig thätigen Vulkans bricht.Die äußerste Schichte zerfällt in kalte, glasige Schlacken, aberunter dieser todten Rinde stießt die Masse in lebendiger Glutrasch und gleich dahin.

So lange die Lebenskraft eines Einzelwesens wie einerGattung nicht vollständig anfgebraucht ist, macht der OrganismusAnstrengungen, sich thütig oder leidend anzupassen, indem erschädliche Bedingungen zu ändern sucht oder sich so einrichtet,daß die nicht zu ändernden ihm möglichst wenig schaden.Entartete, Hysteriker, Neurastheniker sind nicht anpassungsfähig.Sie sind deshalb bestimmt, zu verschwinden. Sie gehen un-rettbar daran zu Grunde, daß sie sich zur Wirklichkeit nicht zustellen wissen. Sie sind verloren, ob sie nun allein auf derWelt sind oder ob es neben ihnen noch Gesunde, oder Ge-sündere, oder mindestens Heilbare gibt.

Sie sind verloren, wenn sie allein sind: denn gesellschaft-feindlich, unaufmerksam, ohne Urtheil und Voraussicht, sind siezu keiner nützlichen Einzelanstrengung und noch weniger zueiner gemeinsamen Arbeit fähig, welche Gehorsam, Zucht undregelmäßige Pflichterfüllung fordert. Sie vergeuden ihr Lebenin einsamer, unfruchtbarer ästhetischer Schwelgerei und ent-nervendes Genießen ist das Einzige, wozu ihre in voller Rück-bildung begriffenen Organe noch zu gebrauchen sind. WieFledermäuse in alten Thürmen. so Hausen sie im stolzen Bau