I. Prognose.
471
Sonderwege wandelnde Wahnsinnige den durch Ermüdung ge-schwächten Zeitgeist vorher vergiftet und widerstandsunfähiggemacht haben.
Wir stehen nun mitten in einer schweren geistigen Volks-krankheit, in einer Art schwarzer Pest von Entartung undHysterie und es ist natürlich, daß man allseitig ängstlich fragt:„Was soll weiter werden?"
Diese Frage nach dem Ausgange tritt an den Arzp, injedem schweren Fall heran und so heikel und gewagt, so un-wissenschaftlich es namentlich auch ist, weissagen zu wollen, erkann sich dennoch der Nothwendigkeit nicht entziehen, einePrognose zu stellen. Ganz Willkür, ganz blindes Nathen insBlaue ist sie übrigens nicht,und sorgfältigste Beobachtung allerAnzeichen, unterstützt durch Erfahrung, gestattet einen in derRegel richtigen Schluß auf die künftige Entwickelung desNebels.
Es ist möglich, daß die Seuche ihren Höhepunkt nochnicht erreicht hat. Wenn sie noch heftiger werden, noch weiterund tiefer um sich greifen sollte, so würden einzelne Erschei-nungen, die man schon jetzt als Ausnahmen oder erst an-gedeutet wahrnimmt, sich gewaltig vermehren und folgerichtigentwickeln und andere, die gegenwärtig nur bei den Insassenvon Irrenanstalten Vorkommen, zu Alltags-Gewohnheiten ganzerBevölkerungsklassen werden. Das Leben könnte dann etwafolgendes Bild darbieten:
Jede Großstadt hat ihren Klub der Selbstmörder. Nebendiesem bestehen Klubs für gegenseitige Ermordung durch Er-würgen, Hängen oder Erstechen. An Stelle der heutigenWirthshäuser thun sich besondere Anstalten für Aether-, CHIoral-,Naphtha- und Haschisch-Genuß auf. Die Zahl der Personen,die an Verirrungen des Geschmacks und Geruchs leiden, ist sogroß geworden, daß es sich lohnt, für sie Läden einzurichten,wo sie aus reichen Gefäßen Unrath aller Art schlürfen und in