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Das zwanzigste Jahrhundert.
Vorherrschaft der Emotion, Mangel an Crkenntniß, Abwesen-heit von Mitgefühl, fehlende Antheilnahme an Welt undMenschheit, Verkümmerung des Begriffes von Pflicht und Sitt-lichkeit. Klinisch einander ziemlich unähnlich, sind diese Krank-heitsbilder doch nur verschiedene Aeußerungen eines einzigenGrundzustandes, der Erschöpfung, und müssen vom Irrenarztin die allgemeine Gruppe der Melancholie eingereiht werden,welche die psychiatrische Erscheinungsform eines erschöpftenZentral-Nervensystems ist.
Oberflächliche oder unehrliche Beurtheiler haben mir dieBehauptung angedichtet, daß Entartung und Hysterie Aus-geburten der Gegenwart seien. Der aufmerksame und gut-gläubige Leser wird mir bezeugen, daß ich einen solchen Unsinnnie ausgesprochen habe. Hysterie und Entartung hat es immergegeben. Aber sie traten früher vereinzelt auf und erlangtenkeine Wichtigkeit für das Leben der ganzen Gesellschaft. Erstdie tiefe Ermüdung, welche das Geschlecht erfuhr, an das dieFülle der jäh über es hereinbrechenden Erfindungen undNeuerungen unerschwingliche organische Anforderungen stellte,schuf die günstigen Bedingungen, unter welchen jene Siech-thümer sich ungeheuer ausbreiten und zu einer Gefahr für dieGesittung werden konnten. Gewisse Kleinlebewesen, welchetödtliche Krankheiten erregen, z. B. der Cholera-Bazillus, sindwohl auch immer vorhanden gewesen, Seuchen verursachen sieaber erst, wenn Umstände eintreten, welche ihrer Vermehrungstarken Vorschub leisten. Ebenso beherbergt der Körper be-ständig Schmarotzer, die ihm erst schaden, wenn ein andererSpaltpilz in ihn eingebrochen ist und Verheerungen angerichtethat. Wir sind z. B. immer von Staphylo- und Strepto-Kokken bewohnt, aber der Influenza-Bazillus muß zuerst alsVorfrucht erscheinen, damit sie üppig wuchern und tödtlicheEiterungen Hervorrufen. So wird das Ungeziefer der Nachäfferin Kunst und Schriftthum erst gefährlich, wenn eigenartige,