II. Die „jungdeutschen" Nachäffer.
42?
Einzelne dieser abscheulichen Sprachfehler sind ziemlich ver-breitet (wie „nach hier" für „hierher"), andere gehören demKauderwälsch der rohesten Volksklasfe an (wie „Brote" für„Brote", „Möbeln" für „Möbel", „lang" für „entlang"), einigeaber hat Tovote nie gehört; sie sind ein Ergebniß seiner eigenenUnkenntniß der deutschen Grammatik.
Nun sein Stil. Wenn Tovote beschreibt, so wählt ergrundsätzlich zur Bestimmung und Verstärkung des Hauptwortsdasjenige Beiwort, welches am selbstverständlichsten im Haupt-wort enthalten ist. Hier einige Beispiele dieser unleidlichenTautologie: „Ein eisiger Januarsturm." „In der Friedrich-straße drängten sich leichtgebaute, elegante Equipagen." „Ver-körperung der lieblichsten Anmuth." „Ein langsam schleichendesFieber." (Man kennt also auch „schnelles Schleichen"?) „Eineträge Schläfrigkeit." „Die im letzten Lichte feurig erglühten."„Sie litt grausame Qualen" u. s. w. Ich bezweifle, daß einSchriftsteller, der auch nur einige Achtung vor sich, seinemBerufe, seiner Muttersprache, seinen Lesern hat, solche Wortean einander reihen wird. Man braucht in der Jagd nach dem„seltenen und köstlichen Beiwort" nicht so weit zu gehen wiedie französischen Stilkünstler, aber ein solches Zusammenfegeuder abgestandensten, unnöthigsten, ausdruckslosesten Beiwörterist nicht mehr Schriftstellerei, sondern in der That, um mitdem französischen Kritiker zu reden, Straßenkehrer-Arbeit. Eineandere Seite seines Stils ist dessen Einfältigkeit. Tovote er-zählt, daß Herbert von Düren sich für die Operette „DerMikado" „schon bei ihrem ersten Auftreten lebhaft interessirthatte. Jetzt, da sie das englische Gewand abgelegt hatte, schiensie ihm noch heimischer zu sein." Also er stellt ernsthaft fest,daß eine englische Operette einem Deutschen in deutscher Spracheheimischer schien als aus Englisch! „Plötzlich überkam ihn einesinnlose Wuth gegen diesen Menschen, der ihn so höflich grüßte,daß er, der sonst die Liebenswürdigkeit selbst gegen Jedermann