II. Die „jungdeutschen" Nachäffer.
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TovoteZ anführen. Er erzählt die Geschichte eines Gutsbesitzersund ehemaligen Offiziers, Herberts von Düren, der eine frühereKellnerin und Geliebte einer ganzen Anzahl einander ablöfenderjunger Leute, Lucie, kennen lernt, zu feiner Geliebten machtund sich an ihrem Leibe fo lange berauscht, bis er sie zuheiraten beschließt, da er ohne sie nicht mehr leben kann.Herbert, der die Vergangenheit von Lucie nur theilweise kennt,führt sie seiner Mutter zu, diese, welche die Beziehungen ihresSohnes zu der Person bald durchschaut, gibt trotzdem ihre Ein-willigung und die Ehe wird geschlossen. In der BerlinerAdels- und Offiziergesellschaft, wo das Paar sich eine Weilebewegt, kommt jedoch bald heraus, was Lucie früher gewesenist, und sie wird von aller Welt „geschnitten". Herbert hälttreu zu ihr, bis er eines Tages zufällig bei einem befreundeten,natürlich „realistischen", Maler ein Bild entdeckt, das Lucieentkleidet im Seebade darstellt. Herbert schließt folgerichtiggenug, daß Lucie dem Maler Modell gestanden hat, und erjagt sie weg. Thatsächlich hat aber der „realistische" Malerdie nackte Gestalt aus der Einbildungskraft geschaffen und ihrnur unwillkürlich Lucies Züge gegeben, weil er in geheimer,ehrerbietiger Bewunderung für sie schwärmt. Nun sucht Herbertdie verschwundene Lucie reumüthig wieder auf und entdeckt sienach herzbrechenden Anstrengungen auf seinem eigenen Gute,wo sie, ohne daß er es wußte, seit Monaten gelebt hat. DieVersöhnung der Gatten findet unter allseitiger Rührung statt-und Lucie stirbt bei gefühlvollen Redensarten, während sie einemKinde das Leben gibt.
Ueber die Albernheit dieser Geschichte will ich kein Wortverlieren. Aber das Wesentliche an einem Roman ist ja auchnicht die Fabel, sondern die Form im engem und weitem
>) Heinz Tovote, Im Liebesrausch. Berliner Roman. SechsteAuflage. Berlin, 1893.