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2 (1893)
Entstehung
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Der Realismus.

Seit der Weimarer Genie-Periode war das deutsche Schrift-thum immer das führende in der weißen Menschheit. Wirwaren die Erfinder, die fremden Völker die Nachahmer. Wirversorgten die Welt mit Dichtungsformen und mit Gedanken.Die Romantik entstand bei uns und wurde erst Jahrzehntespäter in Frankreich, dann über Frankreich in England literarischeund künstlerische Mode. Gvrres, Zacharias Werner, Novalis,Oskar v. Nedwitz schufen bei uns den lyrischen Mystizismusund Neo-Katholizismus, bei dem Frankreich eben erst angelangtist. Unsere vormärzlichen Dichter, die Karl Beck, Georg Her-wegh, Freiligrath, Ludwig Seeger, Friedrich v. Sollet, R. E.Prutz u. s. w., saugen schon das Elend, die Empörungen undHoffnungen der Enterbten, ehe die Walt Whitmans, Morris,Jouys geboren waren, welche man in Amerika, England undFrankreich heute als die Entdecker des vierten Standes für dielyrische Dichtung ansehen möchte. Der Pessimismus verkörpertesich ungefähr gleichzeitig in Italien in Leopardi und bei unsin Nikolaus Lenau mehr als ein Mcnschenalter, ehe der fran-zösische Naturalismus seine Kunst auf ihm erbaute. Die sym-

Roman, ein Drama, eine Seite Kritik zu entdecken, die rverth wären,bezeichnet zu werden. Die Deutsche Rundschau selbst gab dies neulichvoll Verzweiflung zu. Nicht nur der Geist und der Stil sind es, diefehlen, Alles ist armselig, leer und platt. Man möchte sich in Frank-reich zur Zeit Bouillys glauben. . . Es scheint selbst die Absicht zufehlen, sich über eine gewisse Höhe gemeinen Geschreibsels (d'oeritursvnlgaii-e) zu erheben. Man ist schließlich einem zeitgenössischen deut-schen Schriftsteller schon dafür dankbar, wenn man bei ihm ... dieleiseste Anstrengung wahrnimmt, . . . nicht mehr wie ein Gassenkehrerzu schreiben." Daß dies das Urtheil eines hämischen Feindes ist, be-merkt jeder Deutsche, der die schriftstellerische Hervorbringung der Zeit-genossen überblickt. Es erklärt und rechtfertigt sich aber daraus, daßzur Zeit nur dieRealisten" genug Getöse machen, um an gewissenStellen des Auslandes gehört zu werden, und daß man da sehr frohist, sie für das ganze deutsche Schriftthum der Gegenwart ansehen zukönnen.