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2 (1893)
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Der Realismus.

Mit seiner Sexual-Psychopathie hängt auch die Rolle zu-sammen, welche die Geruchs-Empfindungen bei ihm spielen.Das Vorwiegen des Geruchs-Sinnes und dessen Beziehung zumGeschlechtsleben fällt bei vielen Entarteten auf. Düfte gewinnenauch in ihren Werken eine hervorragende Bedeutung. Tolstoiläßt (inKrieg und Frieden") den Grafen Pierre plötzlich denEntschluß fassen, die Prinzessin Helene zu heiraten, als er aufdem Ball ihren Duft riecht ^). In der ErzählungDie Kosaken"spricht er nie vom Onkel Jeroschka, ohne seines Geruches zu ge-denken^). Wir haben in den früheren Kapiteln gesehen, mitwelcher Vorliebe die Diaboliker und Decadenten, Baudelaire,

S. 55; Beobachtung 24, Passows Fall, S. 56; Fußnote zu S. 57,Lombrosos Fall. In allen drei Beobachtungen suchten die Krankensich den Anblick und die Berührung von Frauenwäsche zu verschaffen,um sich sinnlich zu erregen.

Ccsare Lombroso, I-o pin rovonti seoports applieamonicislla psiediatria ecl anlropalogiu oriminalo. Oon 3 iravolo s 52tiguro not issto. Turin, 1893. S. 227:Er hatte immer wollüstigeEmpfindungen, wenn er Thiere schlachten oder in den Läden Weiber-Unterzeug und Wäsche sah." Der Fall, von dem Lombroso hier spricht,ist der eines fünfzehnjährigen Entarteten, den vr. MacDonald, vonder Clark University, beobachtet hat

') Leo N. Tolstoj, Krieg und Frieden. Berlin, 1892. ErsterTheil. S. 373iEr fühlte die Wärme ihres Körpers, athmete denDuft des Parfüms. . . Und in diesem Moment fühlte Pierre, daßHelene nicht nur seine Frau werden konnte, sondern daß sie eswerden mußte, daß es nicht anders möglich war." Heinrich III.von Frankreich soll Maria von Cleve geheiratet haben, weil er sichbei der Hochzeit des Königs von Navarra mit Magarcthe von Valoismit ihrem schweißdurchnäßten Hemd das Gesicht abwischen wollte undvon dem dabei eingeathmeten Dufte so trunken wurde, daß er nichtruhte, bis er dessen Urheberin heimgeführt hatte. S. Krafft-Ebing,Usvodop. sox. u. s. w., S. 17.

-) Tolstoj, Gesammelte Werke, II. Band, Berlin, 1892. S. 385:Zugleich mit ihm war in die Stube ein kräftiger, aber nicht unan-genehmer Geruch gedrungen" u. s. w.