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Die Jch-Sucht.
und das Mittel ist nicht wie bei den geschmeidigen SöhnenLoyolas Schlauheit, Zähigkeit, heimliche Tücke, sondern offeneRohheit, Gewaltthat, Fausthieb und Schwertschlag. Der Zweck,der das Mittel des Jesuiten im Küraß heiligt, mag manchmalein gemeinnütziger, er wird aber ebenso oft oder noch öfter einselbstsüchtiger sein. Bei seinem Urheber hat dieses System derältesten Barbarei immerhin eine gewisse Größe, da es auseinem gewaltigen Willen hervorgeht, der immer mit dem Wage-muth des Helden sich selbst einsetzt und in jeden Kampf mitdem wilden Entschlüsse tritt: „Sieg oder Tod!" Bei denNachahmern dagegen verkrüppelt es zur „Schneidigkeit", dasheißt zu jener niederträchtigsten und verächtlichsten Feigheit,die vor dem Stärkern auf dem Bauche kriecht, aber den gänz-lich Entwaffneten, den unbedingt Harmlosen und Schwachen,von dem schlechterdings kein Widerstand und keine Gefahr zubesorgen ist, mit äußerstem Uebermuthe mißhandelt. Die„Schneidigen" erkennen sich dankbar in Nietzsches „Ueber-menschen" wieder und Nietzsches sogenannte „Philosophie" isttatsächlich die Philosophie der „Schneidigkeit". Seine Lehrezeigt, wie das System Bismarck sich im Kopf eines Tob-süchtigen spiegelt. Nietzsche konnte in keinem andern Zeitalterheraufkommen und Anklang finden als in der Bismarckschenund nach-Bismarckschen Aera. Tobsüchtig wäre er natürlichimmer gewesen, wann er auch gelebt hätte, aber sein Wahnsinnhätte nicht die besondere Farbe und Richtung erhalten, die wirjetzt an ihm wahrnehmen. Es widerfährt Nietzsche zwar manch-mal, sich darüber zu ärgern, daß „der erfolgreichste Typus desneuen Deutschthums . . . an Allem, was Tiefe hat, vielleichtdie ,Schneidigkeit vermißt", und zu mahnen: „Wir thun gut,unfern alten Ruf als Volk der Tiefe nicht zu billig gegenpreußische ,Schneidigkeit und Berliner Witz und Sand zu ver-äußern"?) Aber er verräth an anderen Stellen, was ihn an
') „Jenseits von Gut und Böse", S. 198, 201.