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Die Ich-Sucht.
Manchmal endlich reißt ihm der Zusammenhang der ge-sellten Vorstellungen plötzlich und er bricht mitten in einemSatz ab, um einen neuen zu beginnen: „Denn in der Religionhaben die Leidenschaften wieder Bürgerrecht, vorausgesetzt daß."„Die Psychologen Frankreichs . . . haben immer noch ihrbitteres und vielfältiges Vergnügen an der detiss lionr^eoissnicht ausgekostet, gleichsam als wenn — genug, sie verrathenetwas damit." „Es hat Philosophen gegeben, welche dieserVolks-Verwunderung noch einen verführerischen . . . Ausdruckzu verleihen wußten, . . . statt die nackte und herzlich billigeWahrheit hinzustellen, daß die uninteressirte Handlung eine sehrinteressante und interessirte Handlung ist, vorausgesetzt — Unddie Liebe?"
Das ist die Form, in der Nietzsches Denken vor sich gehtund die zur Genüge erklärt, weshalb er nie drei zusammen-hängende Seiten, sondern immer nur längere oder kürzere„Aphorismen" niedergeschrieben hat.
Den Inhalt dieser zusammenhanglosen Gedankenfluchtbilden eine kleine Anzahl Wahnvorstellungen, die sich mit einerzur Verzweiflung treibenden Eintönigkeit beständig wiederholen.Wir haben Nietzsches intellektuellen Sadismus und seinen Wider-spruchs- und Zweifel- oder Frage-Wahnsinn bereits kennen ge-lernt. Er bekundet überdies Menschen- oder „Leutscheu",Größenwahn und Mystik.
Seine Menschenscheu äußert sich an unzähligen Stellen:„Man liebt seine Erkenntniß nicht genug mehr, sobald mansie mittheilt." „Jede Gemeinschaft macht irgendwie, irgendwo,irgendwann — gemein." „Leer sind noch viele Sitze für Ein-same und Zweisame (!), um die der Geruch stiller Meere weht."„Fliehe, mein Freund, in deine Einsamkeit!" „Und Mancher,der sich vom Leben abkehrte, kehrte sich nur vom Gesindel ab; . . .und Mancher, der in die Wüste ging und mit Raubthieren