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Die Jch-Sucht.
Intuition" (nochmals!), „jenes dem Schluß des 19. Jahr-hunderts eigenthümlichen Vermögens ist, alle geheimen Prozesseund Winkelchen sich selbst auszuhorchen und auszuspähen u. s. w."Psychophysische Intuition! Sich selbst aushorchen und aus-spähen! Man traut seinen Augen nicht. Diese Menschenahnen also nicht einmal, was Psychophysik ist, sie ahnen nicht,daß sie das genaue Gegentheil der alten Psychologie ist, welchemit „Intuition" und Jntrospection, das heißt dem „Sich-sclbst-aushorchen" und „Ausspähen" arbeitete, daß sie mit Vorrich-tungen in Laboratorien geduldig zählt und mißt und nicht insich, sondern auf ihre Versuchs-Personen und Werkzeuge „spähtund horcht"! Und solches Geplapper hirnloser Papageien, diezufällig gehörte Worte nachschwatzen, ohne sie zu verstehen,kann in dem Deutschland, das die neue Wissenschaft der Psycho-Physiologie geschaffen hat, kann in dem Vaterlaude Fechners,Webers, Wundts laut werden! Und kein Berufener hat noch diesenJungen, deren fabelhafte Unwissenheit nur von ihrer Frechheitüberboten wird, mit dem Lineal auf die Finger geschlagen!
Aber es ist noch Schlimmeres geschehen, Etwas, wobei wirk-lich jeder Spaß aufhört. Kurt Eisner'), der zwar mit der „Phi-losophie" Nietzsches nicht einverstanden ist, findet jedoch, daßer uns „gewaltige Dichtungen hinterlassen" hat, und versteigtsich zu dem unerhörten Ausspruche: „Nietzsches .Zarathustra^ist ein Kunstwerk wie,Faust'." Die Frage, die sich zu allererstaufdrängt, ist die: hat Kurt Eisner jemals einen Vers des„Faust" gelesen? Sie wird wohl bejaht werden müssen, dennes ist kaum denkbar, daß heutzutage in Deutschland ein an-scheinend des Schreibens und Lesens kundiger Mensch heran-wöchst, ohne irgend einmal den „Faust" in die Hände zubekommen. Dann aber bleibt nur eine andere Frage: was
) Kurt Eisner, ks/odoputtiis. spiritus-Iis. Friedrich Nietzscheund die Apostel der Zukunft. Leipzig, 1802.