IV. Der Jbsenismus.
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gaben. Und das verzeih' ich Ihnen nie." „Unser ganzes auf-blühendes Gesellschaftsleben", ruft Vater Stockmann seinerseits(S. 42), „zieht seine Nahrung aus einer Lüge." Und später(S. 82): „Ich liebe meine Vaterstadt so sehr, daß ich sie lieberruiniren will, als sie auf einer Lüge emporblühen zu sehen...Ausgerottet müssen sie werden wie schädliche Thiere alle die,welche in der Lüge leben. Ihr verpestet schließlich das ganzeLand, ihr bringt es noch dahin, daß auch dieses vernichtet zuwerden verdient." Das wäre nun Alles gewiß sehr schön,wenn wir nicht wüßten, daß dieser glühende Wahrheitsdienstblos eine der Formen ist, in der die religiös-mystische Zwangs-vorstellung vom Beicht-Sakrament in seinem Bewußtsein er-scheint, und wenn Ibsen nicht nach seiner Gewohnheit dafürsorgte, jeden vorschnellen Glauben an die Aufrichtigkeit seinerRedensarten dadurch zu zerstören, daß er sie selbst verhöhnt.Im Gregor Werle der „Wildente" hat er die beste Spottfigurauf seine Wahrheitsmenschen geschaffen. Gregor redet genaudieselbe Sprache wie Frl. Hessel, Petra Stockmann und ihrVater, aber in seinem Munde soll sie Gelächter erregen. „Dasitzt er nun", sagt Gregor von seinem Freunde Hjalmar (S. 23),„mit seiner großen, arglosen Kinderseele, er mitten im Be-trüge — lebt unter einem Dache zusammen mit einer solchenPerson und weiß nicht, daß das, was er sein Heim nennt, sichauf einer Lüge ausbaut. .. Jetzt erblicke ich endlich einmaleine Lebensaufgabe," Sie besteht darin, Hjalmar den geistigenStatzlr zu stechen. Er thut dies auch. „Du bist in einengiftigen Sumpf gerathen", sagt er ihm (S. 59), „du hasteine schleichende Krankheit in deinen Körper bekommen undbist auf den Grund gegangen, um im Dunkel zu sterben...Sei nur ruhig, ich werde dich schon wieder emporzubringensuchen. Ich habe nämlich jetzt auch eine Lebensaufgabe er-halten. .. Hjalmar kann ich befreien aus all der Lüge undVerheimlichung, an welcher er im Begriff ist, zu Grunde zu
Nord au, Entartung. II. 14