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Die Jch-Sucht.
haben, denn ein solcher Jammcrmensch wäre nicht im Stande,der Gesellschaft einen Zehrpfenuig und der Natur ein Nähr-körnchen abzugewinnen. Ein Schmarotzer der niedrigsten Rück-bildungsstnfe, eine Art menschlicher SacculusZ) müßte er, wenner arm wäre, elend verhungern, sofern ihn die Gesellschaft inihrer unangebrachten Güte nicht in einer Jdiotcnanstalt mit demRöthigen versorgen würde.
Hat Huysmans uns in seinem des Esseintes den Deca-denten mit vorwiegender Verirrung aller Triebe, also den vollenBaudelairianer mit Widernatürlichkeit, ästhetischem Aberwitz undgesellschaftfeindlichem Diabolismus, gezeigt, so verkörpert einanderer Hauptvertreter des decadenteu Schriftthums, MauriceBarrös, die rciue Ichsucht des aupasfungsunfähigen Entarteten.Er hat der „Pflege des Jchs" bisher eine Reihe von vier Ro-manen gewidmet und überdies die drei ersten von ihnen ineiner Broschüre erläutert, welche für diese Untersuchung fastwerthvoller ist als die Romane selbst, da alle Sophismen, mitwelchen das Bewußtsein die Zwangsantriebe des kranken Un-bewußten nachträglich zu erklären und herauszulügen bemühtist, hier in bequemer Übersichtlichkeit zu eiuer Art von philo-sophischem System geordnet auftreten.
Ueber Barrös nur wenige Worte. Er machte zuerst dadurchvon sich reden, daß er in der Pariser Presse seinen Freund, denalgerischen Lustmörder Chambige, einen folgerichtigen „Pfleger
0 Ter Sacculus ist ein Rankenfüßer, der als Schmarotzer amDarmkanal gewisser Krustenthicre lebt. Er stellt die tiefste Rückbildungeines ursprünglich höher organisirten Lebewesens dar. Er hat alleseine diffcrenzirten Organe verloren und bildet im Wesentlichen nurnoch einen Schlauch (daher sein Name: „Säckchen")- der sich mit denSäften des Wirths füllt, welche der Schmarotzer mit Hilfe einiger Ge-fäße in sich saugt, die er in dessen Darmwand sendet. Diesem ver-kümmerten Wesen ist so wenig von einem selbstständigen Thiere ge-blieben, daß man es lange für einen krankhaften Auswuchs des Dar-mes seines Wirths hielt.